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Glosse

Alexander D.Übel
Weil er da war, der Dreck, der Berg und der Barren


George Mallory selbst hat es vielleicht nie bis ganz nach oben geschafft, bis ganz hinauf auf den Gipfel des Mount Everest. Aber er wollte immer dorthin, und zwar unbedingt. Berühmt geworden ist der Brite 1924 demzufolge auch nicht, weil er den Berg nachweislich erklommen hätte. Überliefert ist stattdessen seine legendäre Antwort auf die Frage, warum er denn unbedingt dort hinauf wolle. Because it’s there, sagte Mallory, na, weil er eben da ist, der Berg. Einfach, weil es eben gerade da war, wurde schon manches Paar sündhaft teurer und völlig unvernünftiger Schuhe gekauft, schon manches Erbe in kürzester Zeit verprasst und schon manche unverhoffte Gelegenheit spontan ergriffen – because it was there. Bei den weniger angenehmen Herausforderungen des Lebens spielt das schlichte Da-sein dagegen ganz offensichtlich eine weitaus geringere Rolle. In Taiwan zum Beispiel, genauer in einem Vorort von Taipeh, war es nicht mehr zu übersehen, dass er da war, der Hundedreck auf den Straßen. Er war so etwas von da, dass sich die Sache zum ernsthaften Problem auswuchs. Die Umweltschutzbehörde von New Taipai City kam daraufhin auf eine Idee, die George Mallory sicher gefallen hätte. Wer ein Säckchen mit den gesammelten Hinterlas-

»Zu gewinnen gab es drei Goldbarren.«

senschaften von Hunden der Gemeinde bei der Behörde oder dem Straßenreiniger seines Vertrauens abgab, erhielt im Gegenzug ein Los. Mit etwas Glück ließ sich aus Sch..., aus scheinbar Wertlosem also, tatsächlich Gold machen: Zu gewinnen gab es insgesamt drei Goldbarren im Wert von umgerechnet 1.500, 3.000 und 4.500 Euro. Ungefähr 4.000 Einwohner von New Taipei City machten mit bei der Häufchen-Lotterie, because it was there, der Dreck einerseits, die Gelegenheit, einen der Barren zu gewinnen, andererseits. An George Mallory ist all das vorbeigegangen. Der erfahrene Bergsteiger hatte bereits an mehreren Expeditionen zum Mount Everest teilgenommen, als er 1924 einen letzten Versuch unternahm. Ein britischer Geologe sah ihn auf einer Höhe von 8.500 Metern, kurz vor dem Gipfel auf 8.848 Metern, dann verschwand er im Nebel. Lebend gesehen wurde er danach nie wieder. Mallory galt als verschollen, dabei war er doch immer da gewesen: Seine Leiche wurde im Jahr 1999 auf einer Höhe von 8.150 Metern von einem Suchtrupp am Mount Everst gefunden. Heute gilt er als einer der Wegbereiter des Bergsteigens am höchsten Berg der Welt. Als man George Mallory fand, hatte er das Foto seiner Frau nicht mehr bei sich. Sein Plan war, es auf dem Gipfel abzulegen. Weil er da war.
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