Redaktion EURODECOR
Birgit Jünger | Chefredakteurin | juenger@meininger.de
Alexander Radziwill | Redakteur | radziwill@meininger.de
Nicole Stolpmann | Redakteurin | stolpmann@meininger.de

Ausgabe 11/2017

Warum sinken oder stagnieren die Umsätze im deutschen Tapetenmarkt, wenn der Verbraucher den Produkten positiv gegenüber steht? Das Deutsche Tapeten-Institut (DTI) hat die Hemmnisse, die dem Einsatz von Tapete entgegenstehen, untersuchen lassen. Das Ergebnis: Obwohl mehr als die Hälfte der Befragten Tapete für ihr Zuhause erwägten (56 Prozent), scheuten viele den vermeintlich hohen Arbeitsaufwand. „Vor allem junge Mieter geben an, nicht zu tapezieren, da sie glauben, streichen sei einfacher und Tapete müsse beim Auszug wieder entfernt werden. Und wer einen Profi mit dem Tapezieren beauftragen will, schätzt die Kosten für einen Handwerker zumeist als zu hoch ein (52 Prozent der Befragten)“, teilt das DTI mit. „Und dass der Begriff Tapete zwar bekannt ist (hundert Prozent), nicht jedoch die moderne Vliestapete und ihre Vorteile, lässt sich aus den geäußerten Hemmnissen ebenfalls schließen“, so das DTI weiter. Erfreulich sei, dass die Tapete nicht mehr als bieder gelte. Das DTI sieht großen Bedarf an Aufklärung und Information. Dem stimmen wir zu, aber das wird nicht reichen. Gefragt sind zudem Angebote, die Kunden Tapete plus Service vom Profi vor Ort zu einem angemessenen Preis bieten. Hilfe beim Entfernen der alten Tapete, Hilfe beim Auswählen und Anbringen des neuen Wandbelags durch Profis. Ein Kombi-Angebot, dass so gut ist, dass der Kunde es kaum ausschlagen kann.

Allerdings sind solche Überlegungen seit dem 12. Oktober relativ. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat an diesem Tag in seinem Urteil im Bußgeldverfahren gegen Vertreter der Tapetenindustrie Bußgelder in Höhe von mehr als 19 Millionen Euro festgesetzt. Reaktionen auf das Urteil und die ersten Konsequenzen haben wir auf S. 45 der Printausgabe zusammengefasst. Was das für eine im Raum stehendene neue Gemeinschafts­werbung der Tapetenhersteller bedeutet? Wir werden es sehen – und weiter darüber berichten. Immerhin: Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Beteiligten können Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen.

Alexander Radziwill

Ausgabe 10/2017

Gleich zwei Mal ist in Sachen Kommunikation dieser Tage in unserer Branche etwas schief gelaufen. Da wäre zum einen die Kampagne „#GibDirStoff“ und deren Macher von der Initiative Textile Räume (ITR) , die nach nicht einmal zwei Jahren die Notbremse ziehen. Statt weiter in die ­Öffentlichkeitsarbeit für Wohntextilien zu ­investieren, spricht sich die Mehrheit der ­Mitglieder für die Erstellung einer verlässlichen Marktstatistik für die Heimtextilbranche ohne Haustextilien aus. Fehlendes Wachstum und angekündigte Austritte seien dafür die Gründe, so die ITR. „Es war von Anfang an Ziel der ITR, die Mehrheit der Branche zu versammeln, um Verbraucher wieder für Wohnstoffe zu begeistern. Hier wurde seit November 2015 auch sehr wertvolle PR-Arbeit für unser gemeinsames Produkt geleistet. Fehlt jedoch die Geschlossenheit in der Branche, fehlt auch das not­wendige Budget“, so ITR-Vorstandsvor­sitzender Joachim Stock (s. Seite 23 der Printausgabe). Das ist schade, bedauernswert und für die engagierten Macher der Verbraucher-Kampagne „#GibDirStoff“ sicher auch frustrierend. Ob die Kommunikation gut oder schlecht war – darüber lässt sich streiten. Fakt ist: Sie kam nicht an. 

Den anderen Fall von misslungener Kommunikation durften – oder vielleicht sollte man besser sagen: mussten – 230 Personen live miterleben. Da stellte sich Jürgen Wagner, scheidender Geschäftsführer des Großhandelverbandes Heim & Farbe (GHF), bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung in Münster aufs Podium und rechnete knallhart mit dem vor ihm sitzenden, völlig überrumpelten Vorstand ab. Und dies in einer Art und Weise, dass den Teilnehmern des Branchentreffs geschlossen der Mund offen stand. Das geht gar nicht – das hat keinen Stil. Warum auch immer es zum Bruch zwischen Vorstand und Geschäftsführer gekommen ist, warum auch immer der ­Vertrag nicht verlängert wurde, wer auch immer welche Schuld tragen mag: Gehört ­
es in die Öffentlichkeit? Diese Art der Kommunikation hätten wir uns gerne erspart. Der anderen von der ITR hätten wir dagegen noch gerne länger zugehört. 

Birgit Jünger

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