Redaktion EURODECOR
Birgit Jünger | Chefredakteurin | juenger@meininger.de
Alexander Radziwill | Redakteur | radziwill@meininger.de
Nicole Stolpmann | Redakteurin | stolpmann@meininger.de

Ausgabe 04/2018

An unbefriedigende Zahlen etwa bei Stoffen, bei einigen Hartbodenbelägen, bei einem Teilbereich der textilen Beläge und auch bei Tapeten sind wir gewohnt. Als halbwegs sichere Bank galten lange Zeit die elastischen Beläge, wenn auch mit Einschränkungen. Der Fachverband der Hersteller elastischer Bodenbeläge e.V. (FEB) ist seit jeher zurückhaltend mit konkreten Zahlen. Legendär sind seine Diagramme, die Zuwächse und Rückgänge der einzelnen Gattungen aufzeigen: überall Pfeile, aber kaum Zahlen. So ähnlich wie diese Schaubilder muss Sitting Bulls Gefechtsaufstellung der Bogenschützen im Kampf gegen General Custer am Little Bighorn ausgesehen haben. „Traditionell gibt der FEB keine konkreten Zahlen bekannt, wies aber darauf hin, dass man beim Vergleich der Zahlen auch die Sonderkonjunktur in 2016 bedingt durch die Flüchtlingskrise bedenken müsse“, schreibt unsere Redakteurin Nicole Stolpmann in ihrem FEB-Bericht (ab S. 14 der Print-Ausgabe). 2017 jedenfalls haben sich CV- und homogene Beläge rückläufig entwickelt, und auch heterogene Beläge, Sicherheitsbeläge, Lino- und Kautschuk-Böden verzeichneten Rückgänge.

Bei LVT zeigen die Pfeile indes weiterhin nach oben, aber auch diese Entwicklung hat ihre Schattenseiten. Von einer „Abwärtsspirale bei LVT“, schreibt Nicole Stolpmann in ihrer Analyse des Marktes für elastische Beläge (s. S. 20 ff.). Marco Knop, Marketingleiter Project Floors, berichtet darin: „Immer mehr Anbieter strömen auf den LVT-Markt. Darunter viele, die die Preisstruktur mit Dumpingangeboten torpedieren. Qualitativ minderwertige Ware wird auf den Markt geschüttet, Beratung und Service sucht man hier vergebens.“ Für Claudia Kunath von Aspecta BV können auch die anhaltend gute konjunkturelle Gesamtlage und die starke Nachfrage im Baugewerbe den immer schnelleren Preisverfall nicht abbremsen, „selbst bei neuen Produkten nicht“. Geht LVT den Weg des Laminats oder lässt sich die Entwicklung aufhalten? Einschätzungen dazu sowie zu den neuen Rigid Core-Belägen finden Sie in der Print-Ausgabe der eurodecor 4/18.

Alexander Radziwill

Ausgabe 03/2018

Eine Momentaufnahme vom 27. Februar. Da sprach Hans Peter Wollseifer auf der Eröffnungspressekonferenz der Messe R+T in Stuttgart (s. Seite 28 ff der Printausgabe). Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks nahm Bezug auf ein zu erwartendes Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Fahrverboten in deutschen Innenstädten für Dieselfahrzeuge. „Hunderttausende Dieselfahrzeuge sind für das Handwerk unterwegs“, erklärte er. Ein Fahrverbot stelle einen Eingriff in die Berufsfreiheit dar. „Wir sind für gute Luft, aber man muss den Gesamtkontext sehen“, erklärte Wollseifer. Kurz danach kam es wie befürchtet: Dieselfahrverbote in Städten wurden mit dem Urteil grundsätzlich zugelassen – Fahrverbote müssten jedoch verhältnismäßig sein und dürften nicht über Nacht eingeführt werden. Beruhigend wirkte der Zusatz nicht: Anfang März herrschte vielerorts Verunsicherung, sogar Panik und Existenzangst. Von bis zu zweihundert Klagen von Dieselbesitzern gegen die Hersteller war zu lesen, pro Tag. Sollten die Fahrverbote wirklich kommen, würde sich die Zahl noch steigern, meldeten Zeitungen. Derweil sinkt der Wert von Dieselmodellen quasi stündlich.

Der Staat hat einerseits die Emmissionswerte für die Innenstädte festgelegt, anderseits aber den Dieselfahrzeugen die Zulassung erteilt. In Deutschland wären von Fahrverboten Millionen Dieselfahrzeuge betroffen. Viele Fragen dazu sind Anfang März noch völlig offen. Wird es Übergangsfristen für das Nachrüsten von Fahrzeugen ­geben? Wer zahlt die Nachrüstung? Kommt die blaue Plakette doch? Für welche Fahrzeuge wird es überhaupt Fahrverbote geben? Bekommen Busse des öffentlichen Nahverkehrs nun Ausnahmegenehmigungen – und die Handwerker dann aber auch? ­­
Der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, Andreas Ehlert, sagte dem Handelsblatt: „Den meisten Betrieben würde durch ein Fahrverbot die Existenzgrundlage ­entzogen. Die Folgen wären Unternehmensschließungen und Arbeitsplatzverluste.“ 
Das Thema, so sieht es derzeit aus, wird uns noch eine Weile erhalten bleiben.

Alexander Radziwill

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