Redaktion EURODECOR
Birgit Jünger | Chefredakteurin | juenger@meininger.de
Alexander Radziwill | Redakteur | radziwill@meininger.de
Nicole Stolpmann | Redakteurin | stolpmann@meininger.de

Ausgabe 09/2017

Haben Sie schon mal vom Gefangenen-Dilemma gehört? Bei dieser Spieltheorie geht es um zwei Gefangene, die beschuldigt werden, gemeinsam ein Verbrechen begangen zu haben. Die beiden Gefangenen werden einzeln verhört und können nicht miteinander reden. Leugnen beide das Verbrechen, erhalten beide eine niedrige Strafe. Gestehen beide, erhalten beide dafür eine hohe Strafe, wegen ihres Geständnisses aber nicht die Höchststrafe. Gesteht jedoch nur einer der beiden Gefangenen, geht dieser als Kronzeuge straffrei aus, während der andere als überführter, aber nicht geständiger Täter die Höchststrafe bekommt. 

Das Dilemma besteht nun darin, dass sich jeder Gefangene alleine entscheiden muss, ob und wenn ja was er aussagt, ohne die Entscheidung des anderen zu kennen. „Race to the bottom“ heißt eine Version des Gefangenen-Dilemmas auf neudeutsch – und ist derzeit im Markt der Multilayer und Designbodenbeläge zu beobachten. So sagt beispielsweise  Annika Windmöller, Leiterin der Unternehmens-Kommunikation in der Windmöller-Gruppe, in unserem großen Special ab Seite 22 der Printausgabe der eurodecor: „Nach wie vor rea­lisieren die Designbeläge im europäischen Kernmarkt D/A/CH zweistellige Zuwachsraten. Allerdings wird dieser Wachstumsmarkt zunehmend mit deutlich nachgebenden Preisen und Erlösen rechnen müssen. Das ‚Race to the bottom‘ ist beim LVT-Preisgefüge eröffnet.“ Soll heißen: Es wird sich im Markt draußen unterboten, wo es geht, Hauptsache, man bekommt den Auftrag. Annika Windmöller: „Der rasante Kapazitätsaufbau weltweit und als Folge der Preisverfall in einigen Märkten von bis zu vierzig Prozent innerhalb von fünf Jahren erinnert an die seinerzeit dramatische Preis- und Image-Entwicklung von Laminatböden.“ Alles schon erlebt und wieder nichts gelernt?! Es macht den Eindruck, um im Wortspiel zu bleiben, dass die Branche keine Gefangenen macht. Wollen wir hoffen, dass mancher sich erinnert, was Laminat einmal war und was daraus geworden ist – und diesmal etwas besonnener handelt.

Birgit Jünger

Ausgabe 07-08/2017

„Tapete macht aus Wänden ein Zuhause.“ Wer erinnert sich noch an den Spruch? Vor mehr als zehn Jahren wurde vom Verband der deutschen Tapetenindustrie (VDT) eine breit angelegte Kampagne für Tapete ins Leben gerufen – und alle im Verband engagierten Hersteller machten mit. Die Idee der Gemeinschaftswerbung für Tapete ist sogar noch wesentlich älter als die Zuhause-Kampagne. Der Slogan „Kleb’ dir eine“ ist vielen noch bestens in Erinnerung. Allerdings gab es in den folgenden Jahren immer wieder Querelen, Kartellverfahren und in Folge dessen Austritte aus dem Verband, über die wir ausführlich berichtet haben. 

Schnee von gestern? Leider noch nicht ganz, denn noch ist kein Haken hinter das Kartellverfahren gesetzt. Ullrich Eitel, der geschäftsführende Gesellschafter der ­Marburger Tapetenfabrik, äußerte im Interview (s. eurodecor 6/17) die Hoffnung, dass das Verfahren nach dem Sommer zum Abschluss gebracht werden könne. „Wenn das der Fall ist, muss darüber gesprochen werden, inwieweit unter den Mitgliedern eine Sonderumlage für gezielte Werbung angezeigt ist, um die Zielgruppen wieder zu gewinnen, die wir verloren haben. Diese Werbung muss nachhaltig sein, damit sie etwas bringt. Das muss der Werbeausschuss erarbeiten und das funktioniert auch nur, wenn die gesamte Branche bereit ist, Geld in die Hand zu nehmen, um gemeinsam etwas zu bewirken. Dafür braucht man ein vernünftiges Budget, denn allein kann das keiner. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das funktionieren könnte“, sagte Eitel. 

Wir haben den Faden in der vorliegenden Ausgabe weiter gesponnen. Unser Eindruck ist: Für eine neue Gemeinschaftswerbung gibt es grundsätzlich Sympathie. Kinospots und City-Light-Poster waren 2004 das Mittel der Wahl. Das würde heute so nicht mehr funktionieren. Was dann? Erste Anregungen dazu liefern unsere Gesprächs­partner in der Tapeten-Geschichte zum Thema ab S. 36 in der Printausgabe des aktuellen Heftes.

Alexander Radziwill

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