Redaktion EURODECOR
Birgit Jünger | Chefredakteurin | juenger@meininger.de
Alexander Radziwill | Redakteur | radziwill@meininger.de
Nicole Stolpmann | Redakteurin | stolpmann@meininger.de

Ausgabe 02/2018

Pünktlich zu den Messen im Januar ist wie jedes Jahr ein Dokument mit dem Titel „Die Situation der deutschen Heim- und Haustextilien-Industrie“ erschienen. Das Papier fasst Zahlen und zum Teil auch Tabellen der Branchenverbände zusammen, mit Plus- und Minuszeichen. Auch der Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie e.V. (Heimtex) in Wuppertal berichtet jedes Jahr darin – und die Branche wartet mit Spannung darauf, weil es mehr oder weniger die einzigen heimtextilen Industrie-Zahlen sind, die es gibt. Denn was das Statistische Bundesamt an Daten übermittelt, wird von Branchenkennern oft bemängelt. Zu spät, ab und zu falsch und auch zu grob geklustert – es gibt viele, aber wenig gute Meinungen zu diesem Thema. 

Doch diesmal ließ uns der Heimtex-Verband mit seinem Bericht etwas im Regen stehen: Denn Zahlen gab‘s so gut wie keine, dafür jede Menge Umschreibungen, die durchaus Unterhaltungswert, dafür weniger Inhalt hatten. Schönste Formulierung:  „In der Sparte Möbelstoffe setzte sich der Wachstumstrend des Vorjahres nicht fort. Angesichts der positiven Entwicklung in 2016 legte die Sparte eine Verschnaufpause ein.“ Na das ist doch mal ein schönes Bild: Der etwas außer Atem geratene Möbelstoff, der beim Marathon auf halber Strecke mal einen Kaffee trinken geht! Wir haben dem Heimtex-Verband gegenüber klargestellt, dass der Bericht unserer Meinung nach doch etwas dünn ist. Und schwurbelige Formulierungen nicht darüber hinweg helfen, wenn ein Jahr mal nicht so läuft. Und siehe da! Der Verband kündigt an, jetzt doch wieder Zahlen zu melden, „auch wenn die Entwicklung nicht positiv ist“, so der Heimtex-Hauptgeschäftsführer Martin Auerbach. Er schreibt uns weiter: „Wir wollen allerdings weiterhin prüfen, inwieweit wir hier Dinge umstellen und auch unter rechtlichen Gesichtspunkten zwangsläufig anpassen können und müssen. Wir werden daher eine Pause bis zur Jahrestagung im November dieses Jahres einlegen.“ Bei dieser Pause gehen wir mit – und trinken mit den Möbelstoffen ganz relaxt einen Kaffee.

Birgit Jünger & Alexander Radziwill

Ausgabe 12/2017/01/2018

Es gibt viele Methoden, die Zukunft vorherzusagen: Handlesen, Kartenlegen, Pendeln, in die magische Kristallkugel schauen oder Tierknochen in die Luft werfen wie die Indianer – zumindest in Western macht das der Medizinmann gern, um tiefere Erkenntnisse über das Jagdglück am nächsten Morgen zu erhalten. Diese Methoden haben eines gemeinsam: Sie sind nicht gerade zuverlässig. Mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Instrumenten werben Unternehmen, die in unserer Zeit die Zukunft vorhersagen wollen. Die Wahlsendungen am Wahlabend bringen dann die Wahrheit ans Licht – und wer wie stark danebenlag. Auch Trump und den Brexit hatte damals kaum einer auf dem Zettel. Der Rheinländer hat für solche Fälle eine Allzweck-Weisheit zur Hand, die präziser nicht sein könnte: Et kütt wie et kütt.

Wir haben auch in diesem Jahr wieder Persönlichkeiten der Branche gefragt, wie sie 2017 einschätzen und welche Erwartungen sie an 2018 haben. Der große Vorteil der Experten: In unserer Branche lassen sich langfristige Prozesse beobachten. Und daraus kann die Zukunft sehr wohl mit einiger Wahrscheinlichkeit abgeleitet werden. Und: Selten geschehen Veränderungen über Nacht. So sehen in unserer Umfrage (s. S. 36 bis 44 der Printausgabe) viele den bereits seit längerem akuten Fachkräftemangel als Problem an – er wird uns vermutlich auch 2018 erhalten bleiben. Große gesellschaftliche Themen, die auch in unserer Branche eine Rolle spielen, sind Nachhaltigkeit und die Digitalisierung des Arbeitslebens. Auch Konzentrationsprozesse und der Siegeszug der modularen Bodenbeläge werden uns – vermutlich – noch weiter beschäftigen. Auch in schwierigen Zeiten hat der Rheinländer eine Allzweck-Weisheit zur Hand. Kann sein, dass sie nicht immer stimmt, aber zumindest strahlt sie den Optimismus aus, den wir auch 2018 alle gut gebrauchen können: Et hätt noch immer jot jejange. Und wenn es doch mal wieder anders kommt? Bleibt uns immerhin der Spruch, der sowieso kaum zu wiederlegen ist: Hätte, hätte, Fahrradkette.

Alexander Radziwill

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