Redaktion EURODECOR
Birgit Jünger | Chefredakteurin | juenger@meininger.de
Alexander Radziwill | Redakteur | radziwill@meininger.de
Nicole Stolpmann | Redakteurin | stolpmann@meininger.de

Ausgabe 12/2017/01/2018

Es gibt viele Methoden, die Zukunft vorherzusagen: Handlesen, Kartenlegen, Pendeln, in die magische Kristallkugel schauen oder Tierknochen in die Luft werfen wie die Indianer – zumindest in Western macht das der Medizinmann gern, um tiefere Erkenntnisse über das Jagdglück am nächsten Morgen zu erhalten. Diese Methoden haben eines gemeinsam: Sie sind nicht gerade zuverlässig. Mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Instrumenten werben Unternehmen, die in unserer Zeit die Zukunft vorhersagen wollen. Die Wahlsendungen am Wahlabend bringen dann die Wahrheit ans Licht – und wer wie stark danebenlag. Auch Trump und den Brexit hatte damals kaum einer auf dem Zettel. Der Rheinländer hat für solche Fälle eine Allzweck-Weisheit zur Hand, die präziser nicht sein könnte: Et kütt wie et kütt.

Wir haben auch in diesem Jahr wieder Persönlichkeiten der Branche gefragt, wie sie 2017 einschätzen und welche Erwartungen sie an 2018 haben. Der große Vorteil der Experten: In unserer Branche lassen sich langfristige Prozesse beobachten. Und daraus kann die Zukunft sehr wohl mit einiger Wahrscheinlichkeit abgeleitet werden. Und: Selten geschehen Veränderungen über Nacht. So sehen in unserer Umfrage (s. S. 36 bis 44 der Printausgabe) viele den bereits seit längerem akuten Fachkräftemangel als Problem an – er wird uns vermutlich auch 2018 erhalten bleiben. Große gesellschaftliche Themen, die auch in unserer Branche eine Rolle spielen, sind Nachhaltigkeit und die Digitalisierung des Arbeitslebens. Auch Konzentrationsprozesse und der Siegeszug der modularen Bodenbeläge werden uns – vermutlich – noch weiter beschäftigen. Auch in schwierigen Zeiten hat der Rheinländer eine Allzweck-Weisheit zur Hand. Kann sein, dass sie nicht immer stimmt, aber zumindest strahlt sie den Optimismus aus, den wir auch 2018 alle gut gebrauchen können: Et hätt noch immer jot jejange. Und wenn es doch mal wieder anders kommt? Bleibt uns immerhin der Spruch, der sowieso kaum zu wiederlegen ist: Hätte, hätte, Fahrradkette.

Alexander Radziwill

Ausgabe 11/2017

Warum sinken oder stagnieren die Umsätze im deutschen Tapetenmarkt, wenn der Verbraucher den Produkten positiv gegenüber steht? Das Deutsche Tapeten-Institut (DTI) hat die Hemmnisse, die dem Einsatz von Tapete entgegenstehen, untersuchen lassen. Das Ergebnis: Obwohl mehr als die Hälfte der Befragten Tapete für ihr Zuhause erwägten (56 Prozent), scheuten viele den vermeintlich hohen Arbeitsaufwand. „Vor allem junge Mieter geben an, nicht zu tapezieren, da sie glauben, streichen sei einfacher und Tapete müsse beim Auszug wieder entfernt werden. Und wer einen Profi mit dem Tapezieren beauftragen will, schätzt die Kosten für einen Handwerker zumeist als zu hoch ein (52 Prozent der Befragten)“, teilt das DTI mit. „Und dass der Begriff Tapete zwar bekannt ist (hundert Prozent), nicht jedoch die moderne Vliestapete und ihre Vorteile, lässt sich aus den geäußerten Hemmnissen ebenfalls schließen“, so das DTI weiter. Erfreulich sei, dass die Tapete nicht mehr als bieder gelte. Das DTI sieht großen Bedarf an Aufklärung und Information. Dem stimmen wir zu, aber das wird nicht reichen. Gefragt sind zudem Angebote, die Kunden Tapete plus Service vom Profi vor Ort zu einem angemessenen Preis bieten. Hilfe beim Entfernen der alten Tapete, Hilfe beim Auswählen und Anbringen des neuen Wandbelags durch Profis. Ein Kombi-Angebot, dass so gut ist, dass der Kunde es kaum ausschlagen kann.

Allerdings sind solche Überlegungen seit dem 12. Oktober relativ. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat an diesem Tag in seinem Urteil im Bußgeldverfahren gegen Vertreter der Tapetenindustrie Bußgelder in Höhe von mehr als 19 Millionen Euro festgesetzt. Reaktionen auf das Urteil und die ersten Konsequenzen haben wir auf S. 45 der Printausgabe zusammengefasst. Was das für eine im Raum stehendene neue Gemeinschafts­werbung der Tapetenhersteller bedeutet? Wir werden es sehen – und weiter darüber berichten. Immerhin: Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Beteiligten können Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen.

Alexander Radziwill

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