Eine Frage von Stil und Kommunikation

Ausgabe: 
10/2017

Gleich zwei Mal ist in Sachen Kommunikation dieser Tage in unserer Branche etwas schief gelaufen. Da wäre zum einen die Kampagne „#GibDirStoff“ und deren Macher von der Initiative Textile Räume (ITR) , die nach nicht einmal zwei Jahren die Notbremse ziehen. Statt weiter in die ­Öffentlichkeitsarbeit für Wohntextilien zu ­investieren, spricht sich die Mehrheit der ­Mitglieder für die Erstellung einer verlässlichen Marktstatistik für die Heimtextilbranche ohne Haustextilien aus. Fehlendes Wachstum und angekündigte Austritte seien dafür die Gründe, so die ITR. „Es war von Anfang an Ziel der ITR, die Mehrheit der Branche zu versammeln, um Verbraucher wieder für Wohnstoffe zu begeistern. Hier wurde seit November 2015 auch sehr wertvolle PR-Arbeit für unser gemeinsames Produkt geleistet. Fehlt jedoch die Geschlossenheit in der Branche, fehlt auch das not­wendige Budget“, so ITR-Vorstandsvor­sitzender Joachim Stock (s. Seite 23 der Printausgabe). Das ist schade, bedauernswert und für die engagierten Macher der Verbraucher-Kampagne „#GibDirStoff“ sicher auch frustrierend. Ob die Kommunikation gut oder schlecht war – darüber lässt sich streiten. Fakt ist: Sie kam nicht an. 

Den anderen Fall von misslungener Kommunikation durften – oder vielleicht sollte man besser sagen: mussten – 230 Personen live miterleben. Da stellte sich Jürgen Wagner, scheidender Geschäftsführer des Großhandelverbandes Heim & Farbe (GHF), bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung in Münster aufs Podium und rechnete knallhart mit dem vor ihm sitzenden, völlig überrumpelten Vorstand ab. Und dies in einer Art und Weise, dass den Teilnehmern des Branchentreffs geschlossen der Mund offen stand. Das geht gar nicht – das hat keinen Stil. Warum auch immer es zum Bruch zwischen Vorstand und Geschäftsführer gekommen ist, warum auch immer der ­Vertrag nicht verlängert wurde, wer auch immer welche Schuld tragen mag: Gehört ­
es in die Öffentlichkeit? Diese Art der Kommunikation hätten wir uns gerne erspart. Der anderen von der ITR hätten wir dagegen noch gerne länger zugehört. 

Birgit Jünger