Es wird Zeit für einen richtig großen Wurf

Ausgabe: 
12/2018/01/2019

Es gibt viele Themen, die unsere Branchen-Experten nachdenklich stimmen, fragt man sie nach den Herausforderungen für 2019 (ab Seite 40 der Printausgabe). Eines treibt allerdings alle durch die Bank an: der Fachkräftemangel. Die Lage spitzt sich zu und gilt als die Herausforderung für die Zukunft. So sagt beispielsweise Klaus Kurringer, hauptamtlicher Vorstand bei der Südbund eG in Backnang in unserem Interview (ab Seite 34): „Die Situation hat sich gegenüber 2017 nochmals verschärft. In 2018 hätte Südbund einen erheblichen Mehrumsatz tätigen können, wenn unsere Fachgeschäfte die dazu notwendigen Mitarbeiter gehabt hätten.“ 

Natürlich kennen auch die Hersteller das Dilemma. Auch wenn die Auftragsbücher voll seien, so fehle es doch an Handwerkern, die Aufträge unmittelbar umsetzen könnten, meint zum Beispiel Tomas Cordes, Geschäftsführer Amorim Deutschland in Delmenhorst: „Die fehlenden Verleger beziehungsweise Verlegerleistungen führen mittlerweile zu einem erkennbaren Negativtrend.“ Das unterstreicht auch der Geschäftsführer von MHZ Hachtel in Leinfelden-Echterdingen, Andreas Kopetschny:  „Viele Fachhändler können gar nicht mehr alle Aufträge zeitnah annehmen.“ Ulf Kattelmann, Geschäftsführung Kadeco Sonnenschutzsystem in Espelkamp, sieht die Situation gleich: „Eine anhaltende Herausforderung ist meines Erachtens der Fachkräftemangel und die Schwierigkeit, junge Menschen für das Handwerk und die traditionellen handwerklichen Ausbildungsberufe zu begeistern.“ Was tun? Das richtige Signal wäre jetzt eine Kampagne der Industrie im Schulterschluss mit den Verbänden, richtig groß, richtig aufwändig, zugeschnitten auf junge Menschen, von der Ausbildungsmesse bis zu social media-Aktivitäten, von der Einladung in die Unternehmen bis zu neuen youtube-Videos zu den einzelnen Berufen und so weiter. Und: Die Bezahlung, aber auch die Work-Life-Balance müssen stimmen. Und das setzt womöglich ein wenig mehr Beweglichkeit bei allen Beteiligten voraus.

Birgit Jünger