Ganz frei von der Leber weg sprechen

Ausgabe: 
06/2017

In dieser Ausgabe finden Sie ungewöhnlich viele Texte in Interviewform. Wir haben uns dazu entschlossen, weil wir eine Reihe von Persönlichkeiten der Branche einmal im Original zu Wort kommen lassen wollten, also: Frage, Antwort, Frage, Antwort... Wir haben diesmal Köpfe der Branche aus Handel, Industrie und Handwerk zum ­Gespräch gebeten; jeweils mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. Das Interview hat viele Vorteile. Es liest sich flüssiger. Und es ist direkter als ein Fließtext. Dieser setzt sich oft ebenfalls aus den Inhalten von Gesprächen zusammen, aber er ist weniger unmittelbar. Interviews bedeuten aber auch Aufwand. Zu den mehr oder weniger schlauen Fragen, die wir uns vor dem Gespräch ausdenken, kommt die Nachbe­reitung. Was gefragt und gesagt wird, muss anschließend aufgeschrieben werden. Das dauert meist um ein Vielfaches länger als das eigentliche Gespräch. 

Die meisten Medien in Deutschland legen ein Interview den Gesprächspartnern noch einmal vor Drucklegung vor – auch wir machen das so. Autorisieren nennt sich diese Praxis, die im Ausland weit weniger bekannt ist. Sie hat für die Interviewten einen Vorteil: Unsere Gesprächspartner können frei von der Leber weg sprechen, und das tun sie meist auch. Sie wissen, dass sie ihre Antworten noch einmal verändern können, wenn ihnen etwas rausrutscht, was missverstänlich war, schräg formuliert oder ganz einfach doch nicht für die Allgemeinheit bestimmt. Und, Hand aufs Herz: Wer von uns spricht schon druckreif? Für die Interviewpartner ist das ein Vorteil, denn sie behalten die Kontrolle über ihre Worte. Manchmal verschwinden dabei einige knackige Formulierungen, aber so sind eben die Spielregeln. Interviews sind manchmal schwierig, für Interviewer und für die Interviewten, aber sie bieten ungewohnte Einblicke – so auch die Gespräche in dieser Ausgabe.
Was meinen Sie? Möchten Sie mehr Interviews lesen? Wen aus der Branche wünschen Sie sich als unsere Interviewpartner? Und: Was würden Sie diese Persönlichkeiten fragen?

Alexander Radziwill