Mit ernster Miene fürs Handwerk begeistern?

Ausgabe: 
09/2022

Handwerk? Eher nicht – das jedenfalls ist das Ergebnis einer Ende August veröffentlichten internationalen Studie des Konzerns 3M. Deutschland liegt demnach auf dem 17. (und damit letzten) Platz, wenn danach gefragt wird, ob über eine Karriere im Handwerk nachgedacht wird oder jemals wurde. 72 Prozent der Befragten hierzulande haben gemäß dieser Studie angegeben, sie seien nicht im Handwerk tätig und hätten auch nie darüber nachgedacht, dort eine Laufbahn anzustreben (im Vergleich dazu Frankreich: 56 Prozent). Nur zehn Prozent der in Deutschland Befragten waren der Studie zufolge in einem Handwerksberuf tätig, 18 weitere Prozent gaben an, zumindest über eine Laufbahn in der Branche nachgedacht zu haben. Die Studie gilt als repräsentativ; je rund tausend Menschen wurden dafür unter anderem in Deutschland, Frankreich, den USA, Großbritannien, Brasilien, Indien und Mexiko befragt. 

Derweil ließ der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) im August bundesweit Plakate kleben, auf denen ernst blickende Gesichter von Jugendlichen zu sehen waren. Daneben der Spruch: „Fürs Klima auf die Straße, aber nicht ins Handwerk?“. Ein weiteres Plakat aus der Serie „Hier stimmt was nicht“ bot den Text „Was gegen Handwerk spricht? Meine Akademikereltern“. Das ist eine besondere Art, junge Menschen fürs Handwerk zu begeistern. Schon klar: Die Sprüche greifen Vorurteile auf. Und die Plakate sorgen für Aufmerksamkeit. Ob sie jungen Menschen auch Lust auf das Handwerk machen, muss man abwarten. Und ob sie geeignet sind, das Image des Handwerks positiv zu beeinflussen? Da müsste man besser die Jugend fragen. Vielleicht sollte man jungen Menschen auch mal die Rechnung aufmachen, was Handwerker – nach der Lehre – verdienen können. Im Vergleich zu studierten Altphilologen zum Beispiel. Wie wäre es, mal das Positive hervorzuheben? Und klarzustellen: Handwerker werden dringender gebraucht denn je. Denn künstliche Intelligenz wird viele Berufe überflüssig machen, aber Parkett legen kann sie auch in Zukunft nicht.    

Alexander Radziwill