Schlaghosen und Fischgrät sind Hygge

Ausgabe: 
02/2017

Alles kommt wieder, Schlaghosen und Fischgrät zum Beispiel. Auf den Messen im Januar gab es allerdings (noch) deutlich mehr Fischgrät als Schlaghosen zu sehen, und zwar in so gut wie jeder Bodenbelags-Variante. Ein weiterer alter Bekannter ist Hygge. Es handelt sich dabei weder um einen neuen Bayern München-Stürmer noch um den Gewinner des diesjährigen Dschungelcamps, sondern um das neue Modewort der Interior-Szene. Der Trend kommt ausnahmsweise nicht aus den USA, wo man derzeit ja eher mit alternativen Fakten beschäftigt ist. Hygge stammt vielmehr aus dem dänisch-norwegischen Sprachraum und meint so viel wie gemütlich, geborgen, nett, heimelig. An irgendwas erinnert uns das doch? War da nicht mal etwas mit diesem Begriff namens Cocooning? Gab es da nicht mal diese Trendforscherin namens Faith Popcorn? Ging es da nicht um den Rückzug ins sichere und schöne Zuhause angesichts einer zunehmend unübersichtlicheren und als gefährlich betrachteten Welt? Jahre, wenn nicht Jahrzehnte wurde der Begriff von Trend-Insidern und solchen, die sich dafür hielten, heruntergebetet. Sie alle können ihr altbewährtes Wissen nun reaktivieren und ein neues Etikett draufkleben: Hygge.

Alles kommt wieder, aber die Zyklen scheinen immer kürzer zu werden. Schlaghosen – das ist wirklich lange her. Die Pastellfarben, die nun überall zu sehen sind, waren in den fünfziger und später noch einmal in den achtziger Jahren populär. Die Totenköpfe aber, die auf der Heimtextil im Januar zu sehen waren, ähneln denen frappierend, die vor gerade einmal vier, vielleicht fünf Jahren in jeder beliebigen Fußgängerzone als Gürtelschnalle oder Haarspange zu sehen waren. Uns soll es recht sein, so lange es die Branche im Gespräch hält, die Kunden zum Handel führt und die Menschen hygge und glücklich macht. Über Neues, Schönes und Gutes von den Messen im Januar berichten wir in dieser und der kommenden Ausgabe darum ausführlich

Alexander Radziwill