„Sie Esel“ zwischen Billy und Köttbullar?

Ausgabe: 
07-08/2016

Duzen Sie eigentlich Ihre Angestellten? Oder setzen Sie im Umgang mit Mitarbeitern gerne auf das förmliche Sie? Neuste Entwicklungen zeigen, dass das Du weiter auf dem Vormarsch ist. Nachdem schon länger bei Ikea das offiziell von Konzernseite verordnete Du zwischen Köttbullar, Billy und Pax ertönt, wird‘s auch bei Lidl künftig kuschelig. So hat die Supermarktkette beschlossen, auch auf die vertrauliche Ansprache zu setzen. Und folgt damit der Otto-Group, die seit März auf das Du setzt, dem ein stärkeres Wir-Gefühl folgen soll. 

Finden Sie das gut?! Ehrlich gesagt, ich für meinen Teil weiß es nicht so recht. Ich duze mich mit ganz vielen meiner Kollegen, mit vielen Leuten aus der Branche und tue das gerne und aus Überzeugung. Aber eben freiwillig und nicht auf Verordnung von oben. Allerdings gebe ich zu: Früher habe ich das lockerer gesehen. Du-sagen ist wohl auch eine Frage des Alters. Die Du-Grenze liegt bei rund dreißig Jahren, schätze ich mal. Unterhalb ist das Du-Land, oberhalb die vereinigten Sie- und Du-Sie-Länder. Und in denen bewegt man sich auf seiner Arbeit mit den Jahren sicher und genau taktierend. Ändert man etwas an der Status-Form und wechselt vom Sie zum Du, dann ist das eine Art Auszeichnung und vor allem ein Signal: Ich schätze Sie, also sind wir jetzt per Du!  Auch sollte man nicht vergessen: Es gibt Mitarbeiter, die würden sich eher foltern, als von ihrem Chef duzen lassen. Andere wiederum finden es cool, wenn sie ihren  Vorgesetzten genauso duzen dürfen wie den Kollegen  aus dem Zimmer hinten rechts. Tatsächlich macht Duzen manches leichter, man fühlt sich einfach näher. ­Allerdings auch näher am „Du Esel“ als am „Sie Esel“, da ist ja bekannt. Aber Duzen passt nicht zu jedem Betrieb und nicht zu jedem Chef. Vor allem aber gilt: Die Arbeitswelt dreht sich weiter und wird mit dem Du nicht über Nacht eine andere. Ich plädiere daher für Fingerspitzengefühl bei der Du-Wahl und Entscheidungen auf individueller Ebene. Oder was meinst du? Ähhh, Entschuldigung, was meinen Sie?

Birgit Jünger