Wird aus "Geiz ist geil" jetzt "Geist ist geil"?

Ausgabe: 
02/2020

Man muss die Diskussion um den Klimawandel und den Rummel um Personen wie Greta Thunberg nicht uneingeschränkt großartig finden. Und der damit verbundene Alarmismus kann durchaus mal nervtötend sein. Fakt ist allerdings: Das Thema wird uns erhalten bleiben, auch in Form von Gesetzen, Normen und Bauvorschriften. Die EU Kommission hat angekündigt, einen „Europäischen Grünen Deal“  im Umfang von 485 Milliarden Euro bis 2030 aufs Gleis setzen zu wollen. Etwa ein Viertel der künftigen Ausgaben sollen im weitesten Sinne dem Klimaschutz zugutekommen. Noch ist nicht klar, ob das so auch Realität wird, aber wenn es kommt, geht es alle an – Skeptiker wie Befürworter der Maßnahmen. Non-EU-Importe, die weniger klimafreundlich produziert werden als EU-Produkte, sollen eventuell mit Zöllen belegt werden.

Der Themenkomplex Nachhaltigkeit, Klima, Umweltschutz etc. war auf den ersten Messen des Jahres sehr präsent – der Geist Gretas schwebte quasi über den Hallen. Für viele Aussteller sind klimapositive und nachhaltig produzierte Materialien dabei nichts Neues, sondern längst Alltag. Neu ist, dass das Thema nun immer mehr aus der Nische tritt. Manche Aussteller bauten sogar nachhaltige Stände, deren Bestandteile nach Messeende wiederverwertet werden sollten, wurde uns erzählt. Wir haben auf Heimtextil und Domotex minütlich damit gerechnet, eine Tapeten- oder Bodenkollektion mit Namen Greta, einen Sonnenschutz oder einen Stoff mit dem Titel Thunberg zu finden. Immerhin war „Flooring for Future“ auf einem der Stände ein oft fotografierter Slogan. Wir berichten in dieser und der folgenden Ausgabe ausführlich von den Messen. Nun muss sich nur noch zeigen, ob der Verbraucher mitspielt und die Sachen auch annimmt – und dafür bezahlt, denn meist sind als nachhaltig geltende Produkte nicht die günstigsten. Wenn der Verbraucher das tut, wäre allen gedient: Handel und Handwerk, Industrie, Umwelt und vielleicht auch Greta. Wird aus „Geiz ist geil“ wirklich „Geist ist geil“? Warten wir‘s ab. Wir jedenfalls werden dranbleiben.

Alexander Radziwill