Redaktion EURODECORBirgit Jünger | Chefredakteurin | juenger@meininger.de
Alexander Radziwill | Redakteur | radziwill@meininger.de
Nicole Stolpmann | Redakteurin | stolpmann@meininger.de

 
 
Ausgabe 10/2014

Die Zitate sind mittlerweile geflügelte Worte: „Geschäfte sind Mittelalter. Sie wurden nur gebaut, weil es kein Internet gab“, zum Beispiel. Wer heute mit dem Handel neu anfange, brauche keine Läden. Oder: „Sie verstehen das nicht, weil Sie zu alt sind und zu alte Kunden befragen“. Gesagt hat das, Zitate gemäß Handelsblatt, der Rocket Internet-Gründer Oliver Samwer. Den – für Anleger – misslungenen Börsenstart von Rocket und Zalando konnte man etwas später, Anfang Oktober, online verfolgen. 

Geschäfte sind Mittelalter? Läden unnötig? Handel jedenfalls ist Wandel, das stimmt heute mehr denn je. Nichts ist in Stein gemeißelt, am wenigsten die etablierten Vertriebswege. Der Großhandel unserer Branche ist zu einer Zeit entstanden, als es darum ging, überhaupt an Ware heranzukommen. In Zeiten gesättigter Märkte geht es um Verdrängung, nicht um Loyalitäten; viele der alten Gewissheiten sind wertlos. Quer durch diese Ausgabe zeigen wir auf, wo sich gerade Dinge verändern, sei es beim Großhandel, bei den Bodenbelägen, beim Sonnenschutz, bei Heimtextilien...  

Das Internet ist längst da; jeder von uns trägt es in seiner Tasche, auch Ihre Kunden tun das. Die Zukunft des Handels aber allein im Internet zu sehen, das ist verkürzt. Schon geben die ersten Online-Händler wieder auf; das Wachstum ist nach Angaben des Forschungsinstitutes des Handels, EHI, bei den hundert größten Online-Shops rückläufig. Inzwischen ist auch hier die Geiz-ist-geil-Phase vorbei und der Service rückt wieder mehr in den Vordergrund. Was tun? Service sells. Spezialisten mit einem Angebot, das in die Tiefe geht, können Generalisten mit einem breiten Angebot die Stirn bieten. Die sinnvolle Verknüpfung von offline und online ist eine Strategie zum Überleben. Ideen helfen generell, vor allem neue. Die Differenzierung vom Wettbewerber, auch vom billigeren, durch eigene Angebote jenseits der Vergleichbarkeit ist notwendig. Das Jammern über schlechte Zeiten und miese Margen nicht.
Alexander Radziwill

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