Glosse

03/2020

Alexander D.Übel

Gestern poppte unvermittelt die Nachricht einer Unbekannten auf. Ihr Name: Johanna. Als Anrede wählte die Absenderin der Mail ebenfalls den Vornamen. Aber nicht so, wie es gediegene ältere Hamburger Damen machen („Herr Alex, würden Sie mir wohl bitte die Etagere reichen?“). Die unbekannte Schreiberin duzte vielmehr konsequent durch. „Bei weiteren Fragen kannst du mich gerne jederzeit kontaktieren. Liebste Grüße, Johanna“, endete sie. Es wird ja viel geduzt heute, zum Beispiel von Taxifahrern, die sich aber nur selten mit liebsten Grüßen verabschieden. Warum eigentlich „Du“?

10/2019

Birgit M. Eckert

Diese neuen Supermarkt-Kühltheken überfordern mich. Diese optisch wunderschön peppigen Kühlregal-an-der-Wand-30-Meter-Strecken, die es neuerdings überall gibt und die mit diesen Automatik-Türen ausgestattet sind. Ein angedeutetes leichtes Winken in der Mitte der Tür soll angeblich ausreichen, damit sich geräuschlos, sanft und fast mediativ die Glastüren öffnen und wieder schließen wie einst im Märchen: Simsalabim – Sesam öffne dich!
09/2019

Alexander D.Übel

lm Wartezimmer sind alle gleich. Nicht, was Kassen- und Privatpatienten angeht natürlich, sondern was die dort ausgelegten Zeitschriften betrifft: Alle dürfen die gleiche Auswahl lesen. Aber die ist überall anders. Im Wartezimmer von Allgemeinmediziner Dr. A zum Beispiel liegen immer zehn bis 15 jüngere Ausgaben des „Stern“, bei Hautarzt Dr. B dagegen dürfen Patienten in zwei Jahrgängen des Magazins  „Yacht“ blättern. Will Dr. B etwa sicherstellen, dass seine Patienten stets umfassend über hochpreisige Wasserfahrzeuge informiert sind?

07-08/2019

Alexander D.Übel

Nach Smartphones mit Sprachassistenten und sprechenden Uhren gehört der E-Scooter zu den neusten Spielzeugen des Technikfreunds. Es kann nun nicht mehr lange dauern, bis auch der elektrische Tretroller „intelligent“ wird, zuhören und sprechen lernt und uns per Zuruf zum nächsten Baggersee navigiert. Daran war vor vierzig Jahren nicht zu denken, als der Walkman auf den Markt kam. Er verstand uns nicht und gab gar nicht erst vor, intelligent zu sein. Laute gab er nur von sich, wenn man eine Kassette einlegte und dann auf „Play“ drückte.

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