Glosse

11/2016

Birgit M. Eckert

Wer sich einmal mit der heutigen Namensgebung von Haustieren auseinandersetzt, wird schnell feststellen: Der Name von Hund, Katze und Maus sagt viel über sein Herrchen aus. Ähnlich wie die Vornamen von Kindern – man denke nur an Kevin, Justin oder Chantal – verraten die Namen für die lieben Vier­-beiner einiges über a) den Bildungsgrad des Haushaltes, das Alter von b) Tier und c) Herrchen sowie d) die Anzahl der noch im Haushalt lebenden Kinder beziehungsweise über e) die Anzahl der bisher versagten Enkel. Ich habe Freundinnen, deren Katzen heißen Findus, Kaiser oder Casimir – das sind klare Akademikerhaushalte. Findus ist sozusagen der Maximilian unter den Katzen, der Anti-Justin aller getigerten Vierbeiner. Meine Schwägerin hat wiederum zwei Katzen, die nennen sich Skinner und Scully. Was sagt uns das? Skinner und Scully sind zwei Figuren aus „Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI“, einer US-amerikanischen Fernsehserie, die in den 90ern ein echter Kra­cher  war. Ergo: Die Katzen sind älter als zehn und die Erwachsenen Ende 30. Unsere Nachbarn haben dagegen einen Rauhaardackel, der Paul heißt.   

»Findus ist der Anti-Justin aller Katzen.«

Ein Enkelersatz mit Bilderbuch-Namen, der auch in der Top Ten der beliebtesten Hundenamen auftaucht. Überhaupt, diese Top Ten liest sich wie die Namensliste von der Entengruppe unseres Kindergartens. Unser Sohn ist übrigens auch auf der Hundeliste vertreten auf Platz 9. Und unsere Tochter bei den Katzen auf Platz 7. 
Das würde mich ja alles nicht weiter kratzen, wenn uns nicht vor kurzem selbst Katzen zugelaufen wären. Da standen sie plötzlich auf der Terrasse, machten große Augen, brauchten Futter und einen Namen. Vielleicht Secco und Merlot? Hänsel und Gretel? Ginger und Fred? Natürlich wollten wir die besten Namen, die originellsten, dennoch auf keinen Fall welche, die Rückschlüsse auf a), b), c), d) oder e) zulassen beziehungsweise mit den Spielgefährten unserer Kleinen konform gehen. Also fragten wir (pädagogisch wertvoll!) unsere Kinder selbst. Hier die Vorschläge: Bierkatze, Gebüschfehler, Radiomoped und Dromedar-Pinguin. Die Rückschlüsse aus unserem Umfeld wären in diesem Fall klar gewesen: Total gaga, diese Familie. Also haben wir jetzt Arbeitstitel für die Katzen bis uns etwas Besseres einfällt. Namensdienliche Hinweise nimmt die Redaktion gerne entgegen... 

10/2016

Alexander D.Übel

Jetzt ist es raus, wissenschaftlich untersucht und damit unbedingt wahr, jedenfalls vielleicht: Lästern und Tratschen ist gut. „Experte: Tratschen ist gesund“, stand vor kurzem in der Zeitung. Das Tratschen stamme von der Fellpflege der Affen ab, sagt der Evolutionspsychologe Robin Dunbar, und ist damit also ganz natürlich. Wenn Sie sich jetzt fragen, seit wann Affen tratschen: Sie tun es nicht, jedenfalls nicht so direkt. Dunbar, britischer Forscher von der Universität Oxford, glaubt aber, dass Fellpflege dem Zusammenhalt der Gruppe diene. Und daraus müssten dann die menschliche Sprache und letzten Endes der Tratsch entstanden sein. Wer tratscht, erhöht die Anzahl seiner Sozialkontakte – und die sind überlebensnotwendig in jedem Gefüge, sagt der Experte.   

Ist das glaubhaft? Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Affe, und auf ihrem Baum brennt es. Sie haben nur eine Hand frei. Wen oder was nehmen Sie mit? Die Brut, den Partner? Die Lieblingsbanane? Alles möglich und auch wahrscheinlich. Aber ausgerechnet die Ober-Tratschbase? Doch wohl eher nicht... Dunbar jedenfalls glaubt, Tratschen sei gesund, denn viele Sozialkontakte brächten eine höhere Lebenserwartung. Das heißt: Wer tratscht und quatscht, lebt länger.   

»Es brennt. Wen oder was nehmen Sie mit?«

Aber warum interessieren sich so viele Menschen für Klatsch, der Leute betrifft, die sie gar nicht kennen und wohl auch nie treffen werden? Zum Beispiel Sprösslinge des Hochadels, Sportler, Models, verhaltensauffällige Musikanten, Promi-Friseure, Schauspieler und Schauspieler-Paare, die sich trennen? In dem Artikel wird gemutmaßt, Stars seien für viele Menschen „Rollenvorbilder“. Aber mal ehrlich: Verhalten Sie sich in der Schlange beim Bäcker wie Bud Spencer, wenn sich jemand vordrängelt? Machen Sie bei der Fußpflege einen auf Madonna? Spielen Sie Bruce Willis, wenn die Schwiegereltern spontan klingeln? 

Die Wahrheit ist vermutlich: Wir sehen all diese reichen, berühmten, schönen Menschen, die ihr sorgloses Leben Raffaelo-essend in warmes Licht getaucht verbringen – und stellen dann fest, dass sie die gleichen charakterschwachen Lumpen sind wie wir selbst. Sie pöbeln, saufen und betrügen. Sie sind in Wahrheit auch nicht besser als wir, vielleicht sogar schlimmer. Nehmen vom brennenden Baum die hübsche junge Affendame mit und nicht die tratschende Affenoma. Es ist einfach so: Das zu wissen, ist beruhigend...

07-08/2016

Alexander D.Übel

Ein bisschen erschreckend ist es ja schon, das Video anzusehen, das die Firma Boston Dynamics vor kurzem online gestellt hat: die neuste Generation von SpotMini, einem Roboterhund. Er kann die Spülmaschine ein- oder ausräumen, Müll entsorgen und unter einem Tisch durchlaufen – alles auf vier leise surrenden, erstaunlich schnellen Beinen. Sogar mit Herrchen spielen und sich nach einem Sturz wieder aufrichten kann der Kunst-Hund. Er verfügt über einen sehr beweglichen Schlangenhals mit Greifhand am Ende, was ihn von den meisten gewöhnlichen Hunden unterscheidet. Ob er auch mit dem Schwanz wedeln oder kläffen kann, ist dem Video nicht zu entnehmen.

So richtig zum Kuscheln und Knuddeln sieht der SpotMini nicht aus, aber daran wird sicher geforscht. Auch andere Zukunftsvisionen sind derzeit in der Testphase, zum Beispiel der alltagstaugliche Einkaufsroboter. Ach ja: Ein Robo, der uns den Kasten Bier oder die schweren Einkaufstüten nach Hause trägt – wer träumt nicht davon? Die Firma Starship Companies arbeitet an Geräten, die in Fußgängergeschwindigkeit durch die Straßen rollen. Sie selbst können lässig pfeifend nach Hause spazieren, während der Roboshopper die Tüten schleppt.   

»Der Android, der den Abwasch macht«

Und am besten auch gleich die Flaschen in den Pfandautomaten stellt. Nächstes Jahr soll der Einkaufsroboter auf den Markt kommen. Nicht Bierkästen schleppen, aber fliegen kann Fleye, ein Flugroboter, bei dem alle beweglichen Teile im Inneren verborgen sind. Sie steuern ihn mit einer App, was sonst. Er kann Fotos und Videos aus seiner Umgebung aufnehmen – da ist der Ärger mit den Nachbarn schon eingebaut. Die ersten Geräte sollen im September kommen. 

Wer zu Hause noch keinen Robodog, sondern einen altmodischen analogen Hund hat, kann sich auf Furbo freuen: Das Gerät passt auf Waldi auf und – wir sind im Jahr 2016 – macht von ihm Bilder und Videos, die es sofort online streamt. Frauchen/Herrchen kann so Hund sehen, und Hund über einen in Furbos Robobody eingebauten Lautsprecher die abwesenden Menschen zumindest hören. Sogar eine Runde Trockenfutter spendiert der Hundesitter auf Knopfdruck. Nur Gassi gehen kann das Ding noch nicht. Aber dafür kann man sich dann ja den Robohund SpotMini anschaffen. Oder den Einkaufsrobo. Und Frauchen kuschelt so lange mit der analogen Katze auf dem Sofa.

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