Auf Achsel

Alexander D.Übel
09/2018

In Japan, das wissen wir, ist manches anders. Das Klischee sagt: Die Menschen dort sind auffallend höflich, selbst am Steuer, sie lesen gern Mangas in der U-Bahn und lieben Reis, Miso-Suppe und Donuts, die wie niedliche Katzenköpfe dekoriert sind, mitsamt Schoko-Öhrchen. Was nicht so bekannt ist: Sie arbeiten mit Werbeformen, die hierzulande noch eher unüblich sind. Während in Berlin gerade darüber debattiert wird, Außenwerbung für Produkte im öffentlichen Raum komplett zu verbieten, hat eine Agentur in Japan nun Achseln als Werbeträger entdeckt. Glaubt man einem Bericht, der zurzeit durchs Internet geistert, fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln dort Japanerinnen und Japaner mit individuell angefertigten Fake-Tattoos herum, die sie auf ihren glatt rasierten Achseln tragen. Und die zeigen: Werbung.
Das Prinzip leuchtet ein: Es ist eng, heiß und vor allem ruckelig in der U-Bahn, man muss sich an Stangen festhalten und entblößt dabei automatisch die Achseln – und die sind im Blickfeld der Mitreisenden, ob sie wollen oder nicht. Zu den ersten Kunden der Achsel-Werbung gehört laut dieser Meldung eine japanische Schönheitsbehandlungs- und Dermatologie-Kette, was nahe liegt:    

»So glatt könnten auch Sie aussehen.«

Geworben wird für schmerzlose Achselhaarentfernung – nach dem Motto: So glatt könnten auch Sie aussehen, wenn Sie erst mal bei uns waren. Um das Ganze rund zu machen, soll es auch einen Schönheitswettbewerb geben, im Rahmen dessen die attraktivsten Achseln gesucht und anschließend ausgezeichnet werden sollen. Was aber passiert, wenn der Sommer in Japan ebenso heiß und schweißtreibend ist wie es der Sommer in Deutschland 2018 war?
Die Japanerin mit der schicken Werbung transpiriert womöglich, der Achselwerbung-Japaner schwitzt ganz gehörig, die hübsche Achselwerbung kräuselt sich, wird vielleicht unleserlich und sieht auch nicht mehr so anregend aus. Die Lösung liegt nahe, in Hongkong. Wer einmal dort war, wird vielleicht bemerkt haben, dass Busse da auch auf dem Dach mit Werbung beklebt sind – die Häuser sind hoch, irgendjemand wird‘s schon sehen. Man könnte künftig vielleicht Glatzenträger bitten, sich für Werbung zur Verfügung zu stellen. Nicht in der U-Bahn, aber auf der Straße. Gut, das kann man jetzt von ganz oben nicht mehr so gut lesen, aber den Japanern wird auch dazu schon noch etwas einfallen.

 

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