Bond (männlich/weiblich/divers)

Alexander D.Übel
04/2019

Es gibt nur noch zwei Positionen, die Männern vorbehalten sind: Papst und James Bond. Zumindest bei Letzterem muss das nicht für alle Zeiten so bleiben: Ein Schauspieler, der in den Medien seit Jahren für die Rolle gehandelt wird, hat nun die Diskussion um einen weiblichen Bond angeregt. Eine Frau als Bond? Die einen schüttelt’s, die anderen sind gerührt. Ernstzunehmender Vorschlag oder „Bondinenwitz“ – darüber scheiden sich die Geister.

Aber warum eigentlich nicht? Wenn Frauen Kanzlerin, Königin oder Premierministerin sein können, warum dann nicht auch Bond? Auch Bonds Chefin ist ja eine Frau – und war zuvor vermutlich mal Agentin. Die letzten Filme der Reihe haben gezeigt, dass es wie bislang sowieso nicht mehr weitergehen kann. Der amtierende Bond kommt vermutlich 2020 noch einmal ins Kino, dann ist es wirklich allerhöchste Zeit, etwas Neues zu versuchen. Gut: Bond ist reine Phantasie. Das zeigt sich schon allein daran, dass er offenbar keinen Alltag hat. Man sieht Bond nie bügeln, einen Toaster reparieren und den Müll runterbringen. Hat er Familie? Man sieht ihn zumindest weder beim Elternabend in der Kita noch auf den Rücksitzen seines Aston Martin, wie er Bonbonpapier einsammelt und die Kindersitze von ausgeschütteter Limo reinigt.    

»Fachkraft Spionage/Weltenrettung«

Wäre Bond real, müsste man eine der heutigen Zeit angemessene Annonce formulieren. Etwa so: Wir suchen zum 1. Januar 2021 eine Fachkraft Spionage/Weltenrettung (männlich/weiblich/divers), ortsungebunden (rege Reisetätigkeit), selbstsicheres Auftreten und gepflegtes Äußeres erwünscht. Sie arbeiten weitgehend selbständig auf Abruf weltweit in verschiedenen Missionen und sind generell blasiert und gewaltaffin. Ihr Auftreten ist weltmännisch/-frauisch, Sie sind redegewandt und können technische Leitlinien zu den Ihnen ausgehändigten Fahr- und Spielzeugen konsequent überhören. Waffen- und Führerschein aller Klassen werden vorausgesetzt. Zum Finden eines/einer geeigneten Kandidaten/einer Kandidatin wäre auch eine gemischte Castingshow – Britains next Bond Model (BNBM) – denkbar. Die Damen und Herren müssten in jeder Folge Challenges bestehen, also zum Beispiel Martini mixen und schlürfen, Schurken besiegen, Bondboys und -girls verführen, sexy aus dem Meer steigen etc. Bewerbungen nehmen wir ab sofort entgegen und leiten sie ans MI6 weiter. 

 

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Alexander D.Übel

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