Moderne Männer in der Küche: vorher/nachher

Alexander D.Übel
05/2018

„Männerküchen sind anders, Frauenküchen auch“, teilt uns die Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche e.V. (AMK) mit. Ach ja? „Männerküchen wirken aufgeräumt, fast steril, sachlich und reduziert eingerichtet. Männer stellen in der Küche einen rein funktionalen Zustand her“, erklärt der Fach- und Dienstleistungsverband der Küchenbranche. Da können wir nur sagen: Vielleicht bevor’s losgeht. Denn wenn Männer anfangen zu kochen (wenn sie es denn mal tun), zelebrieren sie es. Ein Werk wird ins Leben gerufen, ein Opus der Gaumengenüsse erschaffen, das nach Fertigstellung ausgiebigst belobigt werden muss – und sei es eine Tütensuppe. Der Schöpfungsakt ist alles andere als steril: Sämtliches Gerät, dessen Nutzen sich Männern erschließt, wird aus Schubladen und Schränken gezogen, manchmal sogar auch Dinge, die keinen für Männer erkennbaren Nutzen haben wie Puder­zuckerzerstäuber. Alle Platten werden simultan bespielt, Unbefugte der Küche verwiesen und nur gerufen, wenn Mann etwas nicht gleich findet („Scha-hatz! Wo hast du mein scharfes japanisches Messer schon wieder hin­geräumt?“). Nach dem Kochen sieht die Küche etwas unsachlich und dysfunktional aus.   

»Männer erschaffen ein Opus der Gaumengenüsse«

Aber: Moderne Männer können Küchen nach Gebrauch aber auch selbständig säubern und aufräumen. Wenn auch selten so, wie Frau das gern hätte. „Für Frauen gehören frische Kräuter und Farben genauso in die Küche wie atmosphärisches Licht und überhaupt Gegenstände und Utensilien, die die Gefühle ansprechen“, erklärt der Verband. Wer jeden Tag zig hungrige Mäuler zu bekochen hat, die sowieso alles bekritteln, wird sicher an kaum etwas so intensiv wie an atmosphärisches Licht denken. „Frauen“, so die AMK weiter, „improvisieren auch bei der eigentlichen Küchenarbeit mit weiblicher Eingebung. Sie brauchen daher oft keine spezifischen Küchenhilfen und verzichten eher auf den elektrischen Dosenöffner, die elektrische Zitronenpresse oder die Turbofräse für Tiefgefrorenes. Männer hingegen sind fasziniert von derlei Technik.“ Man sollte glauben, das Jahr 1953 sei vorbei, aber manche Klischees scheinen unverwüstlich zu sein. Tatsächlich wissen Frauen in der Regel einfach, dass es zum Kochen keinerlei Schnickschnacks bedarf. Und auch Männer sind keine Holzköpfe, die ohne elektrische Zitronenpresse verdursten. Wobei: So eine Turbofräse wäre schon schick... 

 

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