Profis entspannt bei der Arbeit zusehen

Alexander D.Übel
02/2018

Die ersten Messen des Jahres sind vorbei; wir haben tolle Neuheiten gesehen, aber auch breit gelaufene Füße. Wir sind voller Inspirationen, doch uns klingeln die Ohren. Was jetzt hilft, bevor die nächste Messe ruft, ist Entschleunigung. Am einfachsten geht das mit einer Serie, die selten im Fernsehen läuft, aber jederzeit im Internet zu finden ist. Diese Doku-Reihe bietet keine schnellen Schnitte, es gibt darin keine Toten, keine explodierenden Autos und keine ernst zu nehmenden Intrigen. Stattdessen: Stühle, Lampenschirme, Operngläser, Schneiderbüsten und einen entschlossenen Mann mit Glatze, Schiebermütze und Lederjacke.
Die Serie heißt im englischen Original Salvage Hunters und trägt hierzulande den Titel „Die Raritäten-Jäger“. Hauptdarsteller ist Drew Pritchard, ein nicht sehr glamouröser und nicht auffallend gut aussehender Antiquitätenhändler aus Nord Wales. Wir begleiten den Betreiber eines Antiquitätenmarktes gemeinsam mit seinem Kollegen Tee in einem weißen Transporter quer durchs Land, um antike Dekogegenstände aufzustöbern. Klingt nicht übermäßig spannend, ist es auch nicht, aber dafür entspannend. Die Raritäten-Jäger suchen Dinge, die „das Besondere“ haben, sortieren, verhandeln, feilschen, machen trockene Witze und kehren am Ende jeder Folge zurück in das Lagerhaus mit Showroom.   

»Schrottplätze und die unglaublichsten Landsitze«

Dort erwarten sie Pritchards Frau Rebecca, die alle Funde kommentiert sowie ein Team aus Restauratoren, die den angejahrten Schätzen neuen Glanz verleihen. Was die Sendung sehenswert macht, ist vor allem Pritchard selbst: ein sehr guter Verhandler, der über viel psychologisches Geschick verfügt. Er ist leidenschaftlich bei der Sache und geht stets auf sein Gegenüber ein. Jeder Deal wird mit Handschlag besiegelt. Zu sehen gibt es außerdem malerische englische Landschaften, aber auch Schrottplätze, abgetakelte Jahrmärkte und Rummelplätze, obskure Sammlungen, Schlösser, Burgen und die unglaublichsten Landsitze. Kalkuliert Pritchard beim Verkaufsgespräch im Kopf schon seine Marge oder bietet er aus dem Bauch heraus? Drew Pritchard ist offensichtlich ein Schlitzohr, aber kein Gauner. Er will zufriedene Geschäftspartner, denn er braucht sie immer wieder. Lohnt es sich, das anzusehen? Wenn Sie Lampenschirme mögen und es als entspannend empfinden, einem anderen Profi bei der Arbeit zuzusehen: unbedingt.

 

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