Smartphone-Zombies, die Bompel und der ZOSBA

Alexander D.Übel
06/2016

Wissen Sie, was eine Bompel ist? Oder ein Smombie? Der Unterschied zwischen beiden: Die Bompel existiert, der Smombie nicht. Er wurde zwar vor kurzem zum Jugendwort des Jahres gekürt, aber kein Jugendlicher scheint das Wort je genutzt zu haben. Es handelt sich beim Smombie um eine Fusion der Worte Smartphone und Zombie. Gemeint werden damit Menschen, die herumlaufen und dabei sehr stark mit ihrem Multifunktionstelefon beschäftigt sind. Und zwar so stark, dass sie nichts mehr um sich herum wahrnehmen. Eine Art (erfundener) zu Fuß-Geisterfahrer also. 

Man weiß nicht, wer das Wort Smombie gebastelt hat. Es mag eine Erfindung ohne Bezug zur Alltagssprache sein – den schwer beschäftigten Smartphonenutzer aber (nennen wir ihn SBSN) gibt es sehr wohl. Sie haben ihn schon gesehen: Er kam Ihnen auf dem Gehweg entgegen, stur aufs Display fixiert. Oder im Supermarkt, wo er Ihnen zwischen dem Gemüsestand und dem Gang mit dem Dosenbier vor die Füße lief. Er fährt auch Bahn, meist pausenlos quatschend. Gern hält er sich auch in Messehallen auf, wo er schlafwandelnd die Gänge bevölkert.   

»Kommt ein Zug, blinkt unten die Bompel

Er kommuniziert, spielt, hört Musik, verfolgt Nachrichten und bewegt sich gleichzeitig. Vielleicht sind Sie selbst ein Smombie/SBSN? Dann sind Sie in höchster Gefahr, wenn Sie die Straße überqueren! Denn als SBSN bekommen Sie nichts mit von herannahenden Fahrzeugen. Ampeln übersieht der SBSN – nicht so die Bompel. Diese Abkürzung steht für Bodenampel. Es handelt sich um mehrere unmittelbar vor dem Bordstein im Boden installierte LED-Leuchten. Kommt ein Zug, blinkt unten die Bompel. Der SBSN trägt den Kopf in Richtung Multifunktionstelefon geneigt, also tendenziell nach unten. Die blinkende Bompel soll ihn vor der Kollision mit dem ZOSBA (Zug oder Straßenbahn/Auto) bewahren. In Augsburg und Köln stehen schon Bompeln vor Straßenbahnhaltestellen. Von SBSN abgesehen könnten auch schwer von Sehenswürdigkeiten abgelenkte Touristen (SSAT), ältere oder in ihrer Sehfähigkeit eingeschränkte Menschen von Bompeln profitieren. Es handelt sich also, jetzt mal im Ernst, um eine gute, sinnvolle Erfindung. Ob Bompeln den SBSN aber wirklich erreichen? Es geht auch anders, wie die Chinesen uns zeigen: In der Stadt Chongqing wurde nun auf Gehwegen eine Extraspur angelegt. Für Nutzer von Multifunktionstelefonen...