Glosse

11/2014

Alexander D.Übel

Wir leben im Zeitalter des Hightech. Unsere Handys verstehen, was wir sagen. Wir schicken Menschen ins All, die Bilder der Erde heruntertwittern. Manche Autos können ­allein einparken, bald fahren sie wohl auch allein. Und kochen Kaffee. Theoretisch leben wir im Überfluss. Theoretisch haben wir die simplen Lösungen von früher durch perfekt funktionierende Produkte von heute ersetzt. 

10/2014

Alexander D.Übel

Der Herbst ist die Jahreszeit der Kürbisse und des Nebels, der gelben und der roten Blätter, die Zeit von St. Martin, Erntedank und Halloween. Und er ist die Jahreszeit des Donk. Das ist das Geräusch, das Kastanien machen, die vom Baum fallen und auf Autos treffen. Donk machen die herabfallenden Kastanien am liebsten nachts, wenn man gerade eingeschlafen ist. Donk, kurze Pause, Donk, noch eine Pause, D-Donk, längere Pause, dazwischen ein kleines Miau, dann: Donk-de-Donk...Donk-Donk. Erntedonk.

09/2014

Alexander D.Übel

Eigentlich sollte es an dieser Stelle um Teenamen gehen. Um Regale, in denen nicht mehr einfach Hagebutten- oder Fencheltee stehen, sondern Tees, die „Zauber der Sinne“, „Atme dich frei“, „Hol dir Kraft“ und „Schlank und fit“ heißen. Tolles Thema, wäre interessant geworden. Doch es kam anders, denn der Nachbar kam vorbei. Der Nachbar glaubte noch nie an „Schlank und fit“ durch Teetrinken, sondern an Selbstoptimierung. Früher gingen wir manchmal gemeinsam laufen, aber eines Tages musste es CrossFit sein, jedenfalls für ihn.

07-08/2014

Alexander D.Übel

Faulenzen im Urlaub ist schlecht, wird in einer aktuellen Studie behauptet. Nichtstun ganz gefährlich. Die Forscher sagen: Egal ob Strandspaziergänge, Wanderungen, Ballspiele, Joggen, Radeln oder Schwimmen – sechzig bis siebzig Minuten am Tag sollte das Bewegungsprogramm während der Ferien schon dauern. Bloß: wann? Tatsächlich sieht der Ablaufplan eines beliebigen Urlaubstages des erholungssuchenden Familienvaters so aus: 

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