Exklusiv: Auswirkungen der Corona-Krise auf die Branche, Teil IV

Michael Schmid, vdp: „Anfrage- und Kaufverhalten für viele Händler überproportional gut“
Freitag, 27 März, 2020 - 07:30
Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Branche aus? Das möchte die Redaktion eurodecor von Branchenprofis wissen. Wir haben dafür bei Michael Schmid, dem Vorsitzenden des Verbandes der Deutschen Parkettindustrie (vdp), nachgefragt. Die Einschätzung ist - dem Thema entsprechend - eine Momentaufnahme.
 
„Aktuell laufen die Geschäfte bei den Handwerkern einigermaßen geordnet. Dies gilt umso mehr, weil der Handwerker in der Regel in leere und unbewohnte Räume kommt, sodass bestehende Aufträge weitestgehend kontaktlos abgearbeitet werden können. Jedoch sind natürlich die weiteren wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise noch nicht absehbar. Neben Versorgungsengpässen auf den Weltmärkten steht in den nächsten Monaten zu befürchten, dass der Renovierungsmarkt aus dem Fokus der Endverbraucher rückt, um zunächst existentielle Fragen wie Arbeitslosigkeit, Wohnsicherheit und finanzielle Einbußen zu klären. Dies könnte aus unserer Sicht sowohl den DIY-Markt als auch die Nachfrage nach Handwerksleistungen betreffen“, erklärt Michael Schmid.
 
Sind Lieferengpässe aktuell ein Thema oder steht zu befürchten, dass diese eintreten? Michael Schmid: „Wer hätte gedacht, dass wir so schnell wieder in eine Zeit der kontrollierten Ländergrenzen kommen? Vorteile haben natürlich alle Hersteller, die Ihre Vorprodukte von nahegelegenen Zulieferern beziehen. Je mehr Grenzen bei Roh- und Hilfsstoffen überquert werden müssen, desto schwieriger ist die Lieferfähigkeit aufrecht zu erhalten. Im Moment scheinen aber die Lieferketten noch zu funktionieren, wobei sich solche Sachlagen natürlich durch viele Umstände schnell ändern können. Selbst wenn in Deutschland Maßnahmen gelockert werden und wir wieder zu einer ,Normalität‘ zurückfinden ist nicht auszuschließen, dass durch die unterschiedliche regionale Entwicklung der Pandemie über Monate hinweg wichtige Rohstoffe und Ressourcen wie Arbeitskräfte nicht zur Verfügung stehen. Aktuell gilt, dass sich bereits jetzt durch Werksschließungen in einigen europäischen Ländern und fehlende Importe aus China das Angebot am Markt verändert und Kunden gegebenenfalls auf Alternativprodukte ausweichen müssen.“
 
Kommen die Kunden, bleiben sie aus? Welches Feedback kommt derzeit von den Betrieben draußen? Michael Schmid sagt: „Derzeit erhalten wir von unseren Kunden ungebrochen die Information, dass das Anfrage- und Kaufverhalten für viele Händler überproportional gut ist und viele Unternehmen auch unter den vorhandenen Beschränkungen derzeit einen überproportionalen Geschäftsverlauf verzeichnen. Aufgrund des Handwerkermangels der letzten Jahre hatten viele Bodenleger drei bis vier Monate Vorlauf. Auch wenn einzelne Endverbraucher aufgrund der Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona Virus ihre Aufträge stornieren, bekommen im Gegenzug andere Verbraucher schneller ihre Böden. Wenn dann in vier Monaten wieder die Aufträge der ,stornierenden‘ Verbraucher kommen, sind die Handwerker in einer guten Position in dieser Krise und könnten diese relativ unbeschadet überstehen. Ob es sich aber beim aktuell noch recht guten Geschäftsverlauf um Vorzugseffekte handelt, bleibt abzuwarten. Auch gestaltet sich die Situation bedingt durch die verschiedenen Verbote der einzelnen Landesregierungen bereits jetzt stark unterschiedlich.“ (nst)

 

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