A.S. Création: Laura Noltemeyer

Ausgabe: 
02/2018
„Man sollte bereit sein, alles zu geben“
Die Bloggerin Laura Noltemeyer schreibt im Internet über Tapete und Design

Die Hamburgerin Laura Noltemeyer schreibt in ihrem Blog „Designdschungel“ seit 2014 über Mode und Lifestyle. Den Aktivitäten der studierten Architektin folgen heute rund 161.000 Menschen auf Instagram. eurodecor-Redakteur Alexander Radziwill hat Laura Noltemeyer auf der Heimtextil in Frankfurt am Stand von A.S. Création getroffen.

Sie sind auf der Heimtextil als Gast von A.S. Création und haben bereits 2017 mit ­„Designdschungel“ eine erste eigene Tapetenkollektion mit dem Hersteller realisiert. Diese Lizen­zkooperation beinhaltet min­des­tens vier Tapetenserien unter dem Label ­Designdschungel. Sie geben kreativen Input, schreiben über die Tapeten in Ihrem Blog und berichten auf ihren Social Media-Kanälen. Wie ist Ihr Verhältnis zu Tapete? Haben Sie selbst welche zu Hause an den Wänden?

Mein Verhältnis zu Tapeten hat sich vor allem in den letzten Jahren sehr verändert. Mit ihnen kann man mit wenigen Handgriffen einem Raum eine komplett neue Ausstrahlung geben. Dadurch, dass die neuen Tapeten so unglaublich einfach zu tapezieren und – auch wichtig – wieder zu entfernen sind, kann man auch damit ganz leicht mit der Mode gehen und immer wieder einzelne Ecken in der Wohnung neu gestalten. Natürlich habe ich bei mir zu Hause auch meine eigene Tapete an den Wänden. Auf meinem Blog Designdschungel zeige ich, wie die Tapeten an den Wänden aussehen und gebe Tipps für die eigenen vier Wände meiner Leser.

Tapete ist derzeit nicht unbedingt ein Produkt, das junge Menschen ganz oben auf der Liste ihrer Begehrlichkeiten stehen haben. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich glaube, viele denken noch, dass Tapete, wenn sie schon ein paar Jahrzehnte hängt, sehr schwer von den Wänden abzubekommen ist und das wollen die meisten Leute vermeiden. Ich versuche auch meinen Lesern immer zu zeigen, dass vor allem Vliestapete unglaublich vielseitig und super einfach in der Verarbeitung ist. In 45 Minuten ist eine Wand tapeziert, in fünf Minuten ist die Tapete wieder runter. Da muss nicht lange etwas abgeklebt werden oder trocknen.

Können Sie diese momentane Distanz zur ­Tapete brechen – oder zumindest Neugier für das Produkt wecken?

Ich bin da sehr zuversichtlich! Vor allem durch die sozialen Plattformen wie Instagram und Pinterest werden Dinge erlebbar und nahbarer. Ich kann natürlich nur von meinen Lesern und meinem Bekanntenkreis sprechen, aber dort ist die Akzeptanz, seitdem ich meine eigene Tapetenkollektion habe und aktiv dafür werbe, viel größer geworden. Viele meiner Leser, die vorher nie an Tapete gedacht haben, wollen jetzt unbedingt Tapete ausprobieren oder haben schon tapeziert. Es ist ein Thema, das meiner Meinung nach in den nächsten Jahren noch viel größer wird. Es muss ja auch nicht immer der gesamte Raum tapeziert werden. Toll sieht es auch aus, wenn nur eine Wand in einem Muster tapeziert wird. Vor allem, weil Leute nicht mehr vierzig Jahre den gleichen Style haben und mit der Mode gehen wollen. So ist das auch mit Tapeten. Man wird mutiger, sieht bestimmte Styles in Kombination mit Tapeten, die einem gefallen und denkt sich: Wieso probiere ich das nicht einmal bei mir zu Hause aus?

Lifestyle- und Fashion-Blogger gibt es seit rund 15 Jahren, aber erst seit wenigen Jah­ren ist deren Wirken hierzulande einer breiteren Öffentlichkeit bewusst geworden. Was macht eine Bloggerin? Ist das morgens Miami, abends Tokio, dazwischen ein Häppchen beim Modezar?

Haha, das wäre auf jeden Fall toll! Aber ganz so ist es natürlich auch nicht. Einen ganz so typischen Tag gibt es nicht so richtig, weil ich sehr viel unterwegs bin. Wenn ich allerdings mal in Hamburg bin, dann fange ich in der ­Regel so um 9 Uhr morgens an zu arbeiten. Das bedeutet, ich bespreche mich mit meinem Partner Julian, der sich unter anderem um das Management, Verträge, Fotos und um die Mails kümmert. Wir besprechen aktuelle oder zukünftige Projekte und Dinge, die gemacht werden müssen, arbeiten an neuen Ideen oder Konzepten. Dann ist es meistens so, dass Julian mit den verschiedenen Brands spricht und Mails schreibt, während ich Blogposts schreibe, ­Fotos bearbeite oder Instagram Bilder vorbereite. Zwischendurch werden dann meistens ­Fotos gemacht. Tagsüber zwischendurch oder abends geht es dann oft noch zu einem Event oder Meetings. Nebenbei mache ich Instagram Stories und zeige meinen Lesern, was ich am Tag mache, nehme sie mit auf Events. Wenn ich reise, teile ich mit meinen Lesern meine liebsten Plätze, schönsten Erlebnisse oder empfehle auch gerne mal tolle Restaurants oder Cafés. Gegen 21:30 Uhr abends geht meistens mein letzter Instagram Post für den Tag online. Während meiner Reisen sieht ein Tag ähnlich aus, ich arbeite jedoch nicht aus dem Büro aus, sondern meistens vom Hotelzimmer oder aus Cafés. Zwischendurch erkunden wir die Stadt und schauen, wo wir am besten Fotos machen könnten und zeigen den Lesern die tollsten Plätze. Doch auch da müssen Texte und Fotos vorbereitet werden und Kampagnen abgesprochen werden.

"Wichtig ist es einfach, authentisch zu sein und zu bleiben."

Wie wird man Lifestyle-Bloggerin? Welchen persönlichen und beruflichen Hintergrund haben Sie?

Ich glaube, dass es dafür kein Rezept gibt. Ich habe während meiner Master Thesis in Architektur angefangen zu bloggen. Eigentlich nur aus dem Grund, um mich von den anderen Absolventen abzuheben und meine potenziellen Chefs durch meine Arbeit auf mich aufmerksam zu machen. Ich hatte dann nach meinem Abschluss ein paar sehr gute Angebote von internationalen Büros, die ich aber nach langer Überlegung ablehnte, weil Designdschungel zu dem Zeitpunkt schon sehr gut anlief, das Interesse der Leser da war und ich diese Chance auf jeden Fall wahrnehmen wollte. 

Seit Ende 2014 arbeite ich jeden Tag für Designdschungel. Ich liebe es zu reisen und auch mal nur ein, zwei Tage zu Hause zu sein, ich habe kein Problem damit, manchmal bis in die Nacht zu arbeiten oder wenn Freunde sich treffen auch mal früher nach Hause zu gehen, weil ich am Tag darauf viel zu tun habe. Ich habe kein Problem an den Wochenenden zu arbeiten, weil ich das was ich tue mit allem mache, was ich habe. Das ist zwar kein Erfolgsrezept, aber man sollte einfach Spaß an der Sache haben und bereit sein, alles zu geben. Dann fährt man auf jeden Fall schon auf der richtigen Spur.

Für Menschen über 25 sind Blogger und Influencer vermutlich nach wie vor ein Phänomen. Junge Leute, meist Mädchen, vertrauen dem Geschmack und den Einschätzungen einer Person, die sie nicht persönlich kennen, deren Aktivitäten sie über das Internet verfolgen. Sie sind wie eine ferne Freundin, haben Einfluss. Ist das manchmal auch eine Bürde, bloß nichts Falsches sagen oder schreiben zu dürfen, was jemanden enttäuschen oder verletzten könnte?

Man sollte sich auf jeden Fall seiner Verantwortung bewusst sein und überdenken, was man sagt oder wie man handelt. Jedoch sind wir als Blogger oder Influencer auch nur Menschen und es ist nicht verwerflich, wenn man mal etwas Falsches sagt oder nicht ganz überdacht handelt. Ich versuche einfach, ich selbst zu sein. Ich empfehle oder erzähle meinen Lesern Dinge, die ich selbst toll finde und die ich mir selber auch kaufen würde oder gekauft habe. Wichtig ist es einfach, authentisch zu sein und zu bleiben.

Für „Designdschungel“ haben Sie auf groß­flächige florale Muster und grafische Designs im skandinavischen Stil gesetzt. Was sind für 2018 Ihre Favoriten in Farben, Formen und Themen an der Wand?

Durch meinen beruflichen Hintergrund in der Architektur und meine Liebe zu minimalistischen Designs und massiven Design Elementen bin ich mir sicher, dass geometrische Formen auch 2018 absolut im Trend sind. Es gibt einfach so viele Möglichkeiten. Sie können sehr dezent eingesetzt werden und geben dem Raum noch einmal das gewisse Etwas. Zudem bin ich, in Kontrast zu all den geometrischen Formen, ein großer Fan von dem Bohemian Style. Die Trendfarbe dieses Jahr ist ja Ultra Violet, daher glaube ich, dass wir viele violette oder abgewandelte Farben in Fliedertönen finden werden. Auch sind aber Waldgrün oder leichtere, hellere Grüntöne sicherlich ein großes Thema.

Alexander Radziwill

„Man wird mutiger, sieht bestimmte Styles in Kombination mit Tapeten, die einem gefallen und denkt sich: Wieso probiere ich das nicht einmal bei mir zu Hause aus?“, sagt die Bloggerin Laura Noltemeyer.

 

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