Eijffinger

Ausgabe: 
09/2018
Überraschungen immer neu aus Holland
Wie Eijffinger von den Niederlanden aus den deutschen Markt bearbeitet

Wer die Tapetenhalle auf der Heimtextil oder die Tapetenstraße bei den Südbund-Wohntagen kennt, wird schon auf Eijffinger gestoßen sein. Das Unternehmen aus Zoetermeer in den Niederlanden ist seit Jahren in Deutschland sehr aktiv. Der Schwerpunkt liegt hierzulande auf Tapete, wobei Eijffinger auch die dazu passenden Stoffe liefert. Der Stil von Eijffinger? Niederländisch, immer ein bisschen anders als andere, und dabei modisch immer ganz nahe bei aktuellen Trends.

Das moderne Firmengebäude in der Heliumstraat 100 in Zoetermeer nahe Den Haag ist seit 2000 der Sitz des Unternehmens. Hier finden sich ein Showroom, die Büros der Designer und des Vertriebs, von Marketing, Export und der IT-Abteilung, das Lager und manches mehr – aber wo sind die Produktionsgebäude? Es gibt keine. Eijffinger entwirft zum weit überwiegenden Teil alle seine Kollektionen selbst, lässt sie dann aber von internationalen Experten fertigen. Im Rahmen einer Kollektion werden meist Qualitäten von verschiedenen Produktionsstätten zusammengefasst. 
Dass am Ende alles zusammenpasst und in sich stimmig ist, gehört zu den Jobs der vier Eijffinger-Designerinnen und von Marketing Managerin Sanne Ribbers. „Wir sehen Dinge in der Mode, wir beobachten gesellschaftliche Strömungen, all das fließt in neue Kollektionen mit ein. Derzeit sind noch immer Botanik, Dschungel, Palmen, Blätter etc. aktuell. Das Schwierige ist: Wir müssen damit punktgenau am Start sein. Es hilft nichts, zu früh mit einer Idee zu kommen, die noch gar nicht in den Köpfen der Verbraucher ist. Das ist genauso wenig optimal wie zu spät zu sein“, erklärt sie.  
Meistens werden zwei Hersteller für ein Buch zusammengefasst, zum Beispiel Spe­zialisten mit Flock Qualitäten zusammen mit Leimdruck-­Profis. Eijffinger entwirft die Dessins, kombiniert Techniken und Qualitäten und bringt am Ende alles zusammen. Lucien van Uffelen, ­Export Manager und Verkaufsleiter, sagt: „Wir sehen, was im Markt gewünscht ist, entwickeln die Kollektionen und wählen die Her­steller aus, die am besten dazu passen. Die meisten Tapeten werden für uns in England, Belgien, Italien, Frankreich und Deutschland produziert. Wir möchten die Ware aber immer schnell haben, wir wollen und bieten schnellen Service, schnelle Lieferung. Wir prüfen permanent, welche Trends aktuell sind. Was wir am Ende liefern, sind jedes Mal neue Überraschungen aus Holland.“ 
In den Niederlanden und Belgien macht ­Eijffinger schon lange Geschäfte direkt mit dem Einzelhandel, seit 2014 gilt das auch für Deutschland. Seitdem verkauft das Unternehmen direkt an Raumausstatter, an den Einzel- und Großhandel. Ein Team von fünf Handelsvertretern ist in Deutschland dafür flächendeckend verantwortlich. Das Prinzip gehe auf, erklärt Lucien van Uffelen: „Das war eine gute Entscheidung, denn wir machen jetzt wesentlich mehr Umsatz und können alle Kollektionen anbieten. Auch in Frankreich und Großbritannien gibt es jetzt Direktverkauf.“ 2018 werde es wohl wieder ein zweistelliges Plus in Deutschland geben, prognostiziert der Verkaufsleiter, ohne konkrete Zahlen zu nennen: „Wir wachsen im deutschen Markt seit Jahren. Wir haben noch viel vor in Deutschland und werden weiter wachsen.“ Mit Tapete ha­be Eijffinger in den vergangenen Jahren in Deutschland einiges geleistet – rund achthundert Kunden, überwiegend Raumausstatter, Einzel- und Großhändler sowie einige Web­shops würden derzeit beliefert, sagt Lucien van Uffelen. Mit Stoffen stehe Eijffinger in Deutsch­land aber noch am Anfang. 
Die Geschichte des Unternehmens Eijffinger BV lässt sich bis ins Jahr 1875 zurückverfolgen, als die resolute Geschäftsfrau Anna Eijffinger gemeinsam mit ihrem Mann Theo in Den Haag ein Tapetengeschäft eröffnete. 

"Wir müssen mit den Designs punktgenau am Start sein."

Tapeten waren damals aufgrund der weit verbreiteten Kohle- und Torföfen nicht nur Zierde, sondern auch Notwendigkeit: Die Wände wurden relativ schnell unansehnlich, und so war es nötig, jedes Jahr neu zu tapezieren – für Tapetenhersteller und -händler ein Traum. 
Mit den Jahren wurde Eijffinger vom handwerklich geprägten Einzelhändler zum Großhändler mit Schwerpunkt im gehobenen Segment. Vor rund vierzig Jahren kamen Vorhangstoffe als Ergänzung des Sortiments hinzu. 1995 hat das Unternehmen seine erste eigene Kollektion entwickelt. Eijffinger setzt auch heute noch auf gehobene Produkte und den Fachhandel. Auch auf der Heimtextil 2019 wird das Unternehmen erneut ausstellen, um deutsche und internationale Kunden zu treffen. 
Deutsche Kunden erreicht das Unternehmen auch auf regionalen Messen des Großhandels sowie bei den Veranstaltungen von Verbänden und Kooperationen. Auf den Wohntagen von Südbund zwei Mal im Jahr zum Beispiel treffe Eijffinger Kunden, die auf der Heimtextil derzeit nicht in der Zahl anzutreffen seien, wie viele Unternehmen der Branche das gern hätten, sagt van Uffelen: Raumausstatter mit Affinität zur Tapete. Zuletzt hat Eijffinger im Januar auf der Heimtextil drei neue Kollektionen – Vivid, Stature und Trianon – vorgestellt und eine deutschsprachige Website freigeschaltet, außerdem kam Natural Wallcoverings II auf den Markt. In diesem Herbst folgen ab September weitere neue Kollektionen, darunter Enso, Lounge und Rice. Zum Januar 2019 wird es dann erneut neue Kollektionen geben. Jedes Jahr bringe Eijffinger Jahr sieben bis acht Kollektionen heraus, berichtet Sanne Ribbers.Und wie sieht es mit einer eigenen Promi-Kollektion aus? „Wir haben darüber nachgedacht, aber noch nicht die richtige Persönlichkeit gefunden. Diese Person müsste zu uns passen, sie müsste ein bisschen wie Eijffinger sein“, sagt die Marketing Managerin. Zunächst gibt es erst einmal – wenn schon kein Promi-Testimonial – zumindest die zweite Lizenz-Kooperation mit der Marke Rice aus Dänemark.

Alexander Radziwill

„Es hilft nichts, zu früh mit einer Idee zu kommen, die noch gar nicht in den Köpfen der Verbraucher ist. Das ist genauso wenig optimal wie zu spät zu sein“, sagt Sanne Ribbers. Im Bild: die neue Kollektion Enso. Links: Lucien van Uffelen, Export Manager/Verkaufsleiter Eijffinger.

 

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