Geos Geilfuß

Ausgabe: 
11/2015
Vier Standbeine sichern den Erfolg
Bei dem Textilverlag steht die dritte Generation bereits in den Startlöchern

Der Textilverlag Geos Geilfuß in Osnabrück zählt Raumausstatter, Polsterer, Fachmärkte und Sonnenschutzprofis zu seinen Hauptkunden. Seit diesem Jahr ist das Unternehmen auch Südbund-Lieferant; im Januar 2016 stellt es außerdem auf der Heimtextil aus. Dort soll die Marke Geos exclusiv im Vordergrund stehen. Das Umfeld, in dem die Messe diesmal stattfindet, war indes schon einmal besser. Zieht man etwa die Bilanz des Verbandes der Deutschen Heimtextilien-Industrie für das erste Halbjahr 2015 zu Rate, ist bei den Möbelstoffen für den Ausstattungsbereich von einem Umsatzrückgang von 2,4 Prozent die Rede – im Inland ging die Nachfrage sogar um 4,1 Prozent zurück. Der Umsatz der Sparte Dekorationsstoffe und Gardinen entwickelte sich um 6,9 Prozent rückläufig. Fertig konfektionierte Dekoschals und Gardinen bieten heute selbst Discounter sowie auch der nach wie vor wachsende Onlinehandel an. 

Fragt man allerdings Karl-Wilhelm Geilfuß nach seiner Einschätzung der Lage, zeichnet der ein anderes Bild. Stoff brummt nicht? „Wir sind sehr zufrieden, bei uns brummt er, prozentual sogar zweistellig. Zum einen sind unsere Kunden ausgelastet und zufrieden, zum anderen sind unsere Stoffe gut verkäuflich. Diese Einflüsse kann man nicht trennen. Wir haben im Gesamtumsatz ein Plus von sechs Prozent, im Stoffbereich sind es sieben Prozent mehr in der Menge bei Dekostoff“, sagt der Gesellschafter Geschäftsführer der Geos Geilfuß GmbH.

Irgendetwas muss Geos richtig machen, was andere so nicht erreichen. Das 1931 gegründete Unternehmen positioniert sich im mittleren bis leicht gehobenen Segment und konzentriert sich auf ein gut verkäufliches Sortiment. Und es hat gleich vier Standbeine, wie Karl-Wilhelm Geilfuß ausführt: „Dekostoffe, Gardinen, Möbelstoffe und Sonnenschutz. Die ersten drei Gruppen tragen 65 Prozent des Umsatzes. Sonnenschutz macht zwanzig Prozent, das Sonstige wie Zubehör macht 15 Prozent aus. Raumausstatter können bei uns komplett alles aus einer Hand erhalten.“ 

Geschäftsführer Manfred Juling ergänzt, dass das Wachstum im Sonnenschutz durch die eigenen Kollektionen erreicht werde: „Auch da werden wir mittlerweile zum Erstlieferanten. Wir unterscheiden uns aber nicht nur in modischen Details, sondern zum Beispiel auch über den Service und über gut geschulte Mitarbeiter im Innendienst und Außendienst.“ Mit 27 Jahren hat Karl-Wilhelm Geilfuß den Betrieb von seiner Mutter übernommen. Das aus einer Großhandlung vor allem für Polsterstoffe und Möbelstoffe hervorgegangene Unternehmen ist heute ein Textilverlag mit 55 Mitarbeitern, das rund 3.500 Raumausstatter, Facheinzelhändler und Gardinenfachabteilungen bundesweit sowie das benachbarte Ausland beliefert

"Wir wolllen im kommenden Jahr den Objektbereich ausbauen."

In Osnabrück stehen ständig rund 6.000 Positionen im Stoffbereich, 4.000 im Dekozubehör und etwa 800 Positionen im Polsterzubehör zur Verfügung. Geos setzt auf kurze Lieferzeiten, hohe Lieferbereitschaft und einen kontinuierlichen Lagerbestand. Seitdem Karl-Wilhelm Geilfuß die Geschäftsführung übernommen hat, sind fast vierzig Jahre vergangen. Mit seiner Tochter Katharina, die seit Anfang des Jahres im Unternehmen tätig ist, steht die dritte Generation bereits in den Startlöchern. Auf lange Sicht wird sie gemeinsam mit Geschäftsführer Manfred Juling die Geschicke des Unternehmens leiten. „Ich nutze mein erstes Jahr, um alle Abteilungen zu durchlaufen. Die Entscheidung, ob ich in das Unternehmen wollte, wurde mir immer frei gelassen. Vor rund zwei Jahren habe ich mich entschlossen, die Aufgabe langfristig zu übernehmen“, erklärt die Dreißigjährige, die internationales BWL studiert hat und über einen Master in Marketing verfügt.

Vor wenigen Monaten ist Geos – das Kürzel steht für Geilfuß Osnabrück – der Initiative Textile Räume beigetreten. „Unternehmen der Heimtextilbranche sind oft schwer unter einen Hut zu bringen, deshalb hat mich erstaunt, dass in der Initiative schon so viele Firmen engagiert sind“, berichtet Karl-Wilhelm Geilfuß aus Erfahrung. Man müsse den Initiatoren dankbar sein; die Tapetenindustrie habe Ähnliches zuvor geschafft, nun sei es an der Zeit, mit Heimtextilstoffen über mehrere Jahre gebündelt einen gemeinsamen Erfolg zu erzielen. Einen Coup, wie ihn zuletzt P+S mit dem Designer Guido Maria Kretschmer gelandet hat (s. dazu S. 39-40) wünscht er sich auch für Stoff. Karl-Wilhelm Geilfuß: „Prominente bringen ein Produkt nach vorn und machen es bekannt gegenüber dem Endverbraucher.“ Jahr für Jahr bringt Geos fünfzig bis siebzig Neuheiten in Form von Deko- und Gardinenmusterschals mit etwa 750 Positionen auf den Markt. Innerhalb eines Jahres erscheinen bis zu fünf Möbelstoffmusterbücher mit jeweils bis zu sechzig Positionen. Zum Service gehören Freihand-Dekorationen und genähte Musterfenster, ein Nähservice sowie Artikel komplett in bester Raumausstatter-Qualität.

2016 wird das Unternehmen 85 Jahre alt. Und: „Wir wollen im kommenden Jahr den Objektbereich ausbauen und unsere Kundenstruktur verfestigen. Außerdem möchten wir den Export vorantreiben – auch dafür ist meine Tochter geeignet. Und wir streben den Ausbau der Märkte Benelux, Polen, Ungarn, Nord-Italien an. Da tummeln wir uns im Moment schon und arbeiten zum Beispiel in Polen mit Kooperationen“, sagt Karl-Wilhelm Geilfuß. Wie schon zu den Wohntagen im September beim Südbund wird es auch auf der Heimtextil im Januar vorrangig um Stoffe und um die Marke Geos exclusiv gehen. Neben der aktuell größten Stoffkollektion Basic wird es in Frankfurt eine zusätzliche Kollektion geben, die preislich und vom Anspruch her höher angesiedelt sein wird.

Alexander Radziwill

Geschäftsführer Manfred Juling (links) erklärt, dass das Wachstum im Sonnenschutz durch die eigenen Kollektionen erreicht werde. Mit Katharina Geilfuß, der Tochter von Karl-Wilhelm Geilfuß (rechts), die seit Anfang des Jahres im Unternehmen tätig ist, steht die dritte Generation bei Geos Geilfuß bereits in den Startlöchern. 

 

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