German Rugs

Ausgabe: 
10/2018
Individuelle Lösungen für Anspruchsvolle
Wie sich das frühere Findeisen-Projekt als Unternehmen am Markt aufstellt

Das Logo auf der Website www.german-rugs.com ist kreisförmig, betont reduziert und aufgeräumt. Zusammen mit der gewählten Schrift lässt es schon auf den ersten Blick – ungeachtet der Großschreibung – an das Bauhaus denken. Klar wird auf den ersten Blick: Hier geht es um Design, zwar nicht explizit um traditionelles Bauhaus-Design, aber ganz sicher um einen hohen Anspruch und um ein Angebot, das nicht von der Stange ist.

Design ist Form, Design ist Farbe, aber bei einem Bodenbelag ist es auch eine ästhetische Erfahrung, ein haptischer Eindruck. Hinzu kommt die Nutzbarkeit im Alltag – und in diesem Fall eine uneingeschränkte Objekttauglichkeit. Das junge Unternehmen German Rugs will den textilen Bodenbelag nicht neu erfinden, aber doch seine Möglichkeiten ausloten, seine Stärken aufzeigen und  Bodenbeläge und -belagskombinationen anbieten, die es so bislang kaum oder nicht gegeben hat. Erst im Januar hatte German Rugs auf der Heimtextil und im Rahmen der imm cologne größere Auftritte, als die erste Kollektion abgepasster Teppiche des Unternehmens vorgestellt wurde. Das Spektrum, das German-Rugs-Geschäftsführerin Cordula Jahn dort skizzierte, reichte „von dezent bis dekadent, von ganz flach bis ganz kuschelig“, wie sie damals erklärte. Im Mittelpunkt standen hochwertige Materialitäten in 22 Bodenbelagsqualitäten von Wolle über Textil bis hin zu Leder. 

Das erst 2017 gegründete Unternehmen German Rugs ist noch jung, die Köpfe dahinter aber sind alte Hasen der Branche: Sowohl Cordula Jahn als auch Geschäftsführer Danijel Baric kommen von Findeisen, dem Hersteller von Nadelvlies-Bodenbelägen mit Sitz im badischen Ettlingen. Jahn war dort seit 2008 Key Account Managerin, 2013 wurde sie Marketingleiterin, Baric war Gebietsleiter und Key-Account-Manager für einzelne Schlüsselkunden. Das Unternehmen German Rugs hat sich aus der Marke Flurstück heraus entwickelt – ursprünglich ein Projekt, das Cordula Jahn seit 2016 maßgeblich bei Findeisen vorangetrieben hatte. 2017 beschloss Findeisen, sich künftig auf das Nadelvlies-Kerngeschäft zu konzentrieren, und so wurde die Marke Flurstück mit Jahn und Baric als neuer Führung schließlich ausgegliedert. 
Bis heute stehen die beiden Firmen in engem Kontakt – freundschaftlich, wie Cordula Jahn betont: „Es braucht Zeit, eine Marke zu etablieren, und es braucht Zeit, die Kunden dafür zu finden. Herr Baric und ich kennen den Markt und haben überlegt, wie wir Flurstück weiterentwickeln können. Die Kunden wollen manchmal etwas Weicheres als Nadelvlis, auch im Objektbereich. Darum haben wir Findeisen den Vorschlag gemacht, das aus dem Portfolio herauszunehmen, so dass Findeisen sich wieder auf sein Kerngeschäft konzentrieren konnte – auf einem ganz hohen Niveau, auch was den Service angeht. Ich bin nach wie vor stolz, für dieses Unternehmen gearbeitet zu haben.“ German Rugs verfügt über keine eigenen Produktionsanlagen. Das Unternehmen hat sich auf die Herstellung und den Vertrieb individueller abgepasster Teppiche aus unterschiedlichen Materialitäten fokussiert. Her­gestellt werden diese von einer Reihe von Partnern, zu denen bis heute auch Findeisen gehört, gefertigt immer nach den individuellen Maßgaben von German Rugs. 

"Wir haben das Auge und wissen, was geht und wie es geht."

Das junge Unternehmen denkt einerseits in Standards und Kollektionen. Es arbeitet dabei etwa mit den Designern Jeanet Hönig und Dirk Biotto zusammen. Anderseits steht German Rugs sehr stark für individuelle und maßgeschneiderte Bodenbelagslösungen. Die Website weist 22 Qualitäten in bis zu 32 Farben mit acht Möglichkeiten der Einfassung in so ziemlich jeder denkbaren Form aus. 
Und für ganz besondere Formen hat sich zum Beispiel auch ein Auftraggeber in der Stuttgarter Innenstadt entschieden: Jenseits von Kreis, Quadrat und Rechteck wurden in diesem Objekt (s. Foto auf S. 24 der Printausgabe) Unikate verlegt, die mal an Tropfen, mal an Nierentische erinnern – alle individuell durch German Rugs und nach Maßgabe der Innenarchitektin und Inhaberin von mori-space in Stuttgart, Claudia Wald, konzipiert und hergestellt. Cordula Jahn: „Wir sind Spezialisten für Bodenbeläge und für abgepasste Teppiche. Mit unserem Portfolio lässt sich vieles abdecken, zum Beispiel auch Leder, PVC-Flachgewebe; das sind spannende Themen. Wir stellen ein Portfolio zur Verfügung, das wir mit dem Kunden – etwa Raumausstatter, Innenarchitekt oder Architekten und Keykunden – als konkrete Produkte definieren; nicht nur, aber vor allem dort, wo Individuallösungen gefragt sind. Das Standardgeschäft, zwei Mal drei Meter eingefasst, wird bei uns mit der gleichen Intensität bearbeitet wie die Individuallösungen. Aber wenn Sie zum Beispiel einen Tisch mit 3,71 Metern Länge und einer Breite von zwei Metern und 42,5 Zentimeter haben und einen Bodenbelag möchten, der genau darunter passt, und eine individuelle Einfassung wünschen, da sind wir zur Stelle.“ Diese Individualität endet nicht bei Maßen und Einfassungen, sondern ermöglicht zum Beispiel auch spezifische Hoch-Tief-Strukturen in Kombinationen, die Mischung aus unterschiedlichen Materialitäten und vieles mehr.

Hat der Markt darauf gewartet? Welche Chancen hat solch ein Portfolio? „Mit unserem Angebot sind wir gut aufgestellt. Ich glaube, der Markt ist nicht gesättigt. Es gibt Mitbewerber, vor denen ich großen Respekt habe, aber wir werden unseren Weg weiter gehen. Wir wollen diese Individualität beibehalten und wir hören gut zu, was der Markt sagt und will. Das gilt im besonderen Maße für Raumausstatter und Innenarchitekten, die im Objektbereich tätig sind. Wenn Sie etwas zusammen mit dem Kunden entwickeln, haben Sie eine ganz andere Art von Identifikation mit dem Produkt, und das streben wir an“, sagt Jahn. German Rugs werde die Welt nicht neu erfinden, ergänzt die Geschäftsführerin, die ihr Unternehmen in erster Linie als Dienstleister sieht: „Wir bieten Lösungen, wir haben das Auge und wir wissen, was geht, wie es geht und was nicht geht. Und wenn es etwas nicht gibt, machen wir uns Gedanken darüber, wie und mit wem wir es realisieren können.“ Cordula Jahn glaubt fest an den Erfolg von German Rugs, aber nicht über Nacht: „Das haben schon viele gemerkt, die im Bereich der abgepassten Teppiche versucht haben, Fuß zu fassen. Da brauchen Sie einen langen Atem.“

Alexander Radziwill

Geschäftsführerin Cordula Jahn mit der ersten Kollektion abgepasster Teppiche des Unternehmens.

 

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