Interface

Ausgabe: 
03/2015
Entscheider werden langsam mutiger
Die Teppichfliese muss sich in einem hart umkämpften Markt behaupten

Als der Hersteller von Teppichfliesen Anfang der siebziger Jahre gegründet wurde, hat er 15 Angestellte beschäftigt, mehr als vierzig Jahre später sind für Interface weltweit rund 3.000 Mitarbeiter tätig. Eine hohe Innovationsrate und eine nachhaltige Strategie sind heute wichtige Merkmale des Unternehmens.

1973 beginnt die Geschichte des amerikanischen Unternehmens Interface in La Granga/Georgia, als Firmengründer Ray Anderson den Bedarf an flexiblen Bodenbelägen für den Bürobereich erkennt – das Geschäftsfeld, in dem Interface nach wie vor seinen Schwerpunkt setzt. Anderson gründete mit dem britischen Unternehmen Carpets International Plc. und einer Reihe US-amerikanischer Investoren ein Gemeinschaftsunternehmen für die Produktion und den Vertrieb von textilem, modularem Bodenbelag, sprich Teppichfliesen. Der Sprung nach Europa gelang 1987 mit der Übernahme von Heuga Holdings B.V., einem der weltweit ältesten Teppichfliesenhersteller. 
Heute ist Interface mit Hauptsitz in Atlanta/USA nach eigenen Angaben Weltmarktführer für modularen, textilen Fußbodenbelag. Über die Jahre wurde das Wachstum mit der Übernahme von mehr als 50 Unternehmen unterstützt. Europäischer Hauptsitz für die EMEA-Region (Europa, Naher Osten, Afrika) ist Scherpenzeel in den Niederlanden. Durch eigene Niederlassungen und Partner ist Interface weltweit vertreten; der Umsatz betrug 2014 rund 880 Millionen Euro. Gefertigt wird am niederländischen Hauptsitz sowie in Nord-Irland für den europäischen Markt. Weitere Produktionsstätten befinden sich in Australien, China, USA und Thailand. 
Den entscheidenden Kurswechsel, der bis heute das Handeln von Interface maßgeblich bestimmt, erlebte das Unternehmen Mitte der neunziger Jahre. Ray Anderson begann damals, seine Geschäftstätigkeiten vorranging auf Nachhaltigkeit auszurichten. Er veröffentlichte ein Buch mit dem Titel Mid-Course ­Correction, in dem er von der Entwicklung seines Umweltbewusstseins erzählt und ein Geschäftsmodell vorstellt, wie Interface bis 2020 vollständig umweltneutral wirtschaften kann. Diese Vision nannte Anderson Mission Zero. 
In Deutschland hat das Unternehmen seinen Sitz im nordrhein-westfälischen Krefeld. Angesiedelt sind dort die Bereiche Finanzen, Marketing, Vertrieb, technischer Support und Konzeptdesign. Seit Anfang dieses Jahres besetzt Anne Salditt die Position des Marketing Manager Germany. Sie zeichnete vorher bei Interface als Marketing Executive verantwortlich und kümmert sich seit Jahresbeginn darum, die Marke Interface und ihre Produkte weiterzuentwickeln und am deutschen Markt zu platzieren. Stärkster Wettbewerber am Markt für die Produktgattung Teppichfliese ist die textile Bahnenware – auch in Deutschland. Dennoch sei die Bedeutung von Teppichfliesen zuletzt gestiegen, berichtet Anne Salditt: „Wir gehen davon aus, dass die Teppichfliese in Deutschland einen Marktanteil von circa zwölf Prozent hat. Insgesamt ist eine positive Entwicklung bei Teppichfliesen zu beobachten. Trotzdem ist es immer wieder wichtig, Architekten und Planern die Vorteile dieses Produktes näherzubringen, angefangen beim geringeren Verschnitt bis hin zur leichten Austauschbarkeit.“ 

"Man merkt eine Offenheit gegenüber unserer Philosophie."

„Interface setzt mit Mission Zero intensiv auf das Thema Nachhaltigkeit. Wie honoriert das der  Markt? Es sei auf jeden Fall ein Verkaufsargument, aber natürlich nicht in jedem Projekt, so Salditt, sondern insbesondere dann, wenn Unternehmen die DGNB- oder LEED-Zertifizierung nutzten. „Man merkt aber generell eine Offenheit gegenüber unserer Unternehmensphilosophie“, meint Anne Salditt. 
Insgesamt habe sich Interface Deutschland gut entwickelt und sei sehr gut in das Jahr gestartet. „Wir rechnen mit weiterem Wachstum, denn Deutschland ist ein Land mit großem Potenzial und eines der Fokusländer im Konzern“, führt die Marketing Managerin aus. Das stärkste Segment für Interface bleibt weiterhin der Office-Bereich, aber auch in Teilen das Hotelgeschäft sowie der Großhandel. Zielgruppen sind Architekten, Planer, Designer, Objekteure, Verleger und Raumausstatter, die von 20 Außendienstmitarbeitern betreut werden. 
Neben der Mission Zero hat Interface vor allem auch sein Produktsortiment im Fokus. Das europäische Angebot umfasst aktuell rund 70 Produkte in über tausend Farbstellungen. „Wir launchen eigentlich jedes Quartal neue Produkte. Wir haben eine sehr hohe Entwicklungsrate. Gerade wurde die Microsfera gelauncht, eine absolut flache Microtuft-Qualität“, sagt Anne Salditt. 
Dahinter steht der neue „Eco-Hero“ von Interface: die Fliese mit dem nach Unternehmensangaben niedrigsten CO2-Fußabdruck. Mit einer minimalen Umweltbelastung von weniger als drei Kilo CO2 je Quadratmeter während des gesamten Produktionsprozesses, also auch inklusive der Verarbeitung sämtlicher Rohstoffe, will die Microsfera-Kollektion einen neuen maßgebenden Branchenstandard setzen. Das Garn und die Vorbeschichtung sind mit 63 Prozent beziehungsweise 13 Prozent die beiden Faktoren, die den größten Einfluss auf die Ökobilanz bei der Produktion von Teppichfliesen haben. So wurde für die Microsfera-Kollektion erstmals das alternative Garn Polypropylen verwendet. Beim Verschmelzungsprozess wird das Garn direkt mit dem Rücken der Teppichfliese verankert, was eine besonders starke Haftung garantieren und dieselbe Strapazierfähigkeit wie bei herkömmlichen Teppichfliesen gewährleisten soll. Eine Vorbeschichtung aus Latex soll das überflüssig machen. Microsfera ist im Skinny Planks-Format von 25 x 100 cm  in acht aufeinander abgestimmten Farbtönen für den Objektbereich erhältlich. Die Fliesen lassen sich sowohl frei untereinander als auch mit der in unterschiedlichen Florhöhen verfügbaren  Touch & Tones-Kollektion kombinieren, wodurch verschiedene Designvariationen kreiert werden können, beispielsweise nahtlose Übergänge, Abgrenzungen oder Zonierungen.
„Für uns ist Microsfera im Rahmen unserer Mission Zero ein absolut wichtiges Produkt und erinnert weder bei der Haptik noch beim Design an eine klassische Teppichfliese. Die erste Resonanz aus dem Markt ist sehr positiv“, sagt die Marketing Managerin. Bei Design und Farbe werde der deutsche Markt mutiger. Grau sei zwar weiter maßgebend, aber: „Man merkt inzwischen, dass Architekten und Planer bei Akzenten und Dessinierungen von ihrer ursprünglichen Vorstellung abweichen und sich auch gerne für etwas Mutigeres entscheiden“, so Anne Salditt.

Nicole Stolpmann

Anne Salditt, seit Jahresbeginn verantwortlich für den Bereich Marketing für Deutschland, erklärt: „Interface ist sehr gut in das Jahr gestartet.“

 

Mehr Portraits

 

"Relevante Hilfestellung für den heutigen Markt"

Die neuartige Wissensplattform bietet dem Handel ein breites Angebot

DAW

In fünfter Generation extrem erfolgreich

DAW in Ober-Ramstadt wurde vor 125 Jahren gegründet

Aufgeräumter und insgesamt "leichter"

Mit neuem frischen Layout dem Zeitgeist angepasst