Komar Products

Ausgabe: 
10/2017
Sehnsucht nach dem, was man nicht hat
Weit mehr als Palmenstrand: innovative Wandbekleidung aus Bayern

Endlose Palmenstrände, Täler im Nebeldunst, die Skyline von New York mit hoch aufragenden Wolkenkratzern – das verbinden viele mit dem Begriff Fototapete. All das gibt es bis heute, fünfzig Jahre nachdem Gerhard Komar sein Unternehmen gegründet hat. Aber Komar hat 2017 weit mehr zu bieten: Firmenchefin Sabine Komar-Häusler und ihre Schwester ­Carola Komar haben die Ideen des Vaters in die heutige Zeit überführt und ausgebaut. Im Jahr des 50. Jubiläums denken die beiden nicht im Traum daran, sich entspannt zurückzulehnen, um Palmenstrände zu betrachten.   

„Wenn es um die Ideal-Landschaft auf Fototapete geht, können wir eigentlich kein regionales Gefälle entdecken. Da unser Exportanteil aber bei knapp achtzig Prozent liegt, sehen wir schon Unterschiede. Palmenstrände mit viel Sand sind zum Beispiel in arabischen Ländern schon weniger gefragt; da geht es dann mehr um Wasserfälle und grüne Wiesen“, sagt Sabine Komar-Häusler, die Komar Products seit 2006 leitet. Immer an ihrer Seite bei allen wichtigen Entscheidungen ist ihre Schwester Carola Komar. „Ich denke, es gibt eine Sehnsucht nach dem, was man gerade nicht hat“, ergänzt sie. Komar ist ein Familienunternehmen, „ein von zwei Schwestern geführter Betrieb“, umschreibt es Sabine Komar-Häusler. Die Alleininhaberin legt ihren Schwerpunkt auf Vertrieb und Geschäftsführung. „Die Firma zu leiten, die Strategie aufzubauen und die Schwerpunkte zu setzen, das macht richtig Spaß. Was ich tue, macht mir Freude“, erklärt sie. Ihre Schwester Carola Komar kümmert sich vorrangig um Design, Einkauf und Produktmanagement. „Und sie ist mein erster Ansprechpartner bei allen wichtigen Entscheidungen“, sagt Sabine Komar-Häusler. 

Mit der Kollektion Infinity hat sich Komar zur Heimtextil im Januar einen Schritt wegbewegt von der klassischen Fototapete mit Strand und Alpenpanorama. Diese Wandbilder haben eine dreidimensionale Anmutung; im Digitaldruck hergestellt ermöglichen sie auch kleinere Losgrößen. Die hochwertige Kollektion ist rein für den Fachhandel konzipiert. Das Gleiche gilt für die mit dem Fotografen Stefan Hefele erarbeitete Kollektion, die dessen Namen trägt. 
Sind solche Kollektionen ein Abschied auf Raten von der Fototapete? Im Gegenteil, sagt Carola Komar: „Fotodesign und klassische Fototapete mit Landschaftsansicht ergänzen sich. Wir haben bewusst neue Kollektionen hinzugenommen, die sich vom bisherigen Sortiment unterscheiden. Hinzu kommen Produkte mit Star Wars-, Disney- und Marvel-Figuren. Alles läuft weiter, plus die eigene Linie für den Fachhandel.“ Sabine Komar-Häusler fügt hinzu: „Wir haben jetzt an die 700 Produkte. Als ich angefangen habe, gab es ein Buch, das wurde alle zwei Jahre erneuert. Jetzt haben wir um die hundert Neuheiten im Jahr. Aber wir stehen für Fototapete, auch wenn wir inzwischen vieles andere mehr anbieten.“

Fünfzig Jahre Komar im Schnelldurchlauf: 1967 gründet Gerhard Komar die Firma Komar Werbung & Verlag mit Sitz in Rosenheim. Zuvor war der damals 24-Jährige als Fotograf mit der Produktion des Chiemgauer Sportkalenders erfolgreich. Bücher und Kalender mit Gerd Müller, Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Berti Vogts zeugen von seiner Begeisterung für Sport. 1971 wird die erste eigene Siebdruckerei in Betrieb genommen, 1973 ein neues Firmengebäude, das Platz für Werbeagentur, Verlag und Druckerei hat.

"Fotodesign und klassische Fototapete ergänzen sich."

1976 erscheint der erste Katalog mit Fototapeten – mit Palmenstränden, Wald- und Landschaftsmotiven. Der vielseitige Gerhard Komar bringt über die Jahre immer wieder neue Produkte auf den Markt, so zum Beispiel bedruckte Abreiß-Notizblöcke oder auch Grillanzünder, zudem verkauft und vermietet er Wohnmobile und publiziert Faschingsführer für die Bälle im Raum Rosenheim. Hinzu kommen in den achtziger Jahren selbstklebende und wiederabziehbare Fototapeten. In den neunziger Jahren entdeckt Gerhard Komar immer neue Auslandsmärkte für seine Produkte. Seit 1996 beliefert Komar den osteuropäischen Markt und präsentiert sich 2004 erstmals auf der Messe MosBuild in Moskau. Komars Tochter Sabine übernimmt 2006 das Ruder von ihrem Vater, der 2007 stirbt. Im gleichen Jahr erwirbt das Unternehmen die National Geographic-Lizenz und erweitert das Sortiment um selbstklebende Deco-Sticker für Wand und Fenster. 

Nach dem Umzug der Produktion verlagert das Unternehmen 2012 den Firmensitz nach Kolbermoor. Die Lizenzen für Disney, Marvel, Star Wars und Melli Mello kommen hinzu. 2015 wird das Firmengelände um ein weiteres Gebäude erweitert, 2016 wird das Tochterunternehmen Komar RUS mit Sitz in Moskau gegründet. 2017, im Jahr des 50. Jubiläums, zeigt Komar auf der Heimtexil drei neue Fototapetenkollektionen auf Vlies: die Offset XXL-Vlieskollektion Into Illusions Edition 2 sowie Infinity und Stefan Hefele. Eine Gala-Veranstaltung in Frankfurt rundet das Firmenjubiläum ab. „Die Feiern gingen bis Mai, jetzt kehrt wieder Alltag ein“, sagt Sabine Komar-Häusler. Für die Zukunft stehen Motive der Star Wars Episode 8 an – der Film kommt im Dezember ins Kino. Er wird im Januar 2018 auf der Heimtextil ebenso wie Marvel und Disney ein Thema sein. „Die Disney-Prinzessinnen ändern sich. Bislang waren sie vor allem schön, jetzt werden sie als stärkere Frauen gezeigt“, sagt die Firmenchefin. Den beiden Komar-Schwestern gefällt das.

Alexander Radziwill

Carola Komar (links), die Unternehmenschefin Sabine Komar-Häusler (Mitte) und Katharina Meindl, Marketing & PR, vor einem der beliebten Blumenmotive, die Komar immer wieder neu zelebriert.