Neuhofer Holz

Ausgabe: 
07-08/2016
Leisten in gleicher Optik und auch Haptik
Das innovative Familienunternehmen setzt auf neuste 3D-Technologie

 

Wer sich mit Leisten und Profilen, Befestigungssystemen für Boden, Decke und Wand sowie dem passenden Zubehör beschäftigt, kommt an Neuhofer Holz aus Österreich nicht vorbei. Das 1650 gegründete Unternehmen wird nicht müde, mit Innovationen den Markt voranzutreiben. Jüngstes Beispiel: digital bedruckte Leisten und Profile mit dreidimensionaler, also fühlbarer Oberfläche.

Was im Januar auf der Domotex noch als Muster am Stand zu sehen war, ist nun annähernd marktreif: dreidimensionale Oberflächen. „Wir werden wohl Ende 2016/Anfang 2017 liefern können“, sagt Franz Neuhofer, seit 2011 alleiniger Geschäftsführer des familiengeführten Unternehmens. 
Wie so vieles bei Neuhofer geht auch diese Entwicklung auf den intensiven Austausch mit den Kunden zurück. „Der Impuls der Kunden fließt laufend in die Entwicklung mit ein. Ich bekomme große Ohren, wenn ich bei Kunden bin, denn von ihnen höre ich, was gewünscht wird. Wenn man den Kunden in die Entwicklung einbettet und eine Lösung für sein Problem schafft, dann ist er mit Ihnen im Boot“, erklärt Franz Neuhofer. Wie genau die dreidimensionale Oberfläche produziert wird, will er nicht sagen. Die erhabenen Elemente werden weder gefräst noch geprägt, wie also entsteht das, was sich erfühlen lässt? „Es wird aufgebracht“, sagt Neuhofer lächelnd, und fügt hinzu: „Wir ziehen der Länge nach durch.“ 

Der Direktdruck kann auf verschiedene Werkstoffe wie Kunststoff, MDF, Aluminium und andere Träger erfolgen. Das so entstehende Produkt ist sehr robust; Füllstoffe machen die Oberfläche extrem hart, „weitaus robuster als herkömmliche digital bedruckte Leisten“, so der Geschäftsführer.
Fühlbare Strukturen am Boden, auch synchron zur aufgedruckten Maserung, sind lange bekannt, auf Leiste und Profil sind sie neu – aber wer braucht das? „Die Fußbodenindustrie legt großen Wert darauf. Sie kann ihren Kunden Boden und Leiste in gleicher Optik und Haptik anbieten. Fachmärkte können sich ­damit vom Baumarkt abgrenzen“, berichtet Neuhofer. Er glaubt, dass dreidimensionale Leisten und Profile schon allein aufgrund des höheren Preises eher kein Produkt für den Baumarkt – den er auch beliefert – werden,  sondern eines für Fachhandel und Industrie. 

Die Geschwister Caroline Schön, Public Relations & Marketing, und Franz Neuhofer sind bereits die zehnte Neuhofer-Generation. Victoria, die Tochter von Franz Neuhofer, stellt die elfte Generation dar. Sie ist derzeit im Verkauf, und durchläuft seit zwei Jahren verschiedene Stationen im Unternehmen. Und auch der Vater der Geschwister, Franz Neuhofer senior, sowie die Mutter Christiana Neuhofer sind nach wie vor täglich im Betrieb. 

"Wir provozieren, aber man muss im Gespräch bleiben."

Wer Neuhofer Holz über die Jahre begleitet hat, wird die besondere Ansprache in Broschüren mit frechen Sprüchen und Bildern kennen. Auf der Domotex leiten Besucher Jahr für Jahr ausgesprochen hübsche Hostessen zum Stand, wo noch mehr attraktive Damen warten – inzwischen ist das ein Markenzeichen der Österreicher. Kommt das bei den Kunden an? „Bei 95 Prozent. Wir provozieren ein bisschen, aber man muss im Gespräch bleiben und sich anders als die anderen darstellen“, findet Franz Neuhofer. 

Wer einmal auf dem Stand ist, merkt schnell, dass Gags und Gimmicks das eine sind, Innovationen, die Hand und Fuß haben, das andere. Besucher können am Stand immer mit Überraschungen rechnen, zuletzt zum Beispiel eine dreidimensionale Präsentation in einem abgetrennten Bereich des Messestands. Gut besucht war auch die Foto-Box mit Strand-Atmosphäre – natürlich inklusive Bikini-Schönheit mit Surfbrett. Der Zeitpunkt für Innovationen ist für Neuhofer Holz aber nicht der Januar mit Domotex und Bau, sondern der Juli: Dann werden im Haus intensive Gespräche mit den Kunden geführt, ihre Wünsche analysiert und Lösungen diskutiert. 

Auf der Domotex im folgenden Jahr im Januar werden dann Ergebnisse dieses Prozesses gezeigt, manchmal auch schon die zweite Generation eines Produktes, das ursprünglich in Gesprächen mit Kunden seinen Anfang genommen hat. Bei der Entwicklung des Digitaldrucks auf Leisten wie jetzt auch bei den dreidimensionalen Strukturen war Neuhofer Holz von Anfang an mit dabei – jeweils verbunden mit großen Investitionen in neue Technologien. „Die Kunden wollen immer einen gewissen Vorsprung. Wir können die exakt passende Leiste zum Fußboden liefern, und wenn es gewünscht wird den Türrahmenleisten gleich mit dazu. Je weiter wir das treiben, desto mehr USP (unique selling proposition, also: Alleinstellungsmerkmal -red) hat der Kunde“, erklärt Franz Neuhofer. Der Erfolg dieser Strategie gibt dem Unternehmer recht: 2015 erlebte Neuhofer Holz im fünften Jahr in Folge sein bestes Jahr bei Ertrag und Wachstum. 

Mit rund 500 Patenten, Gebrauchs- und Geschmacksmustern sowie 18.000 verschiedenen Artikeln sieht sich Neuhofer Holz als ­Innovationsführer in der Branche. Zum umfangreichen Sortiment gehören heute Sockelleisten aus Massivholz, mit MDF oder Fichtenkern, ummantelt mit Dekorfolie, auch digital bedruckt oder furniert. Hinzu kommen Bodenprofile aus HDF, Aluminium und Kunststoff, mit Dekoroberflächen der Abriebsklassen bis AC5. Zubehör wie Kunststoffecken, Clipsysteme, Verlegehilfen, Heizkörperrosetten und das Wohnraumsystem FN deco-shelf runden das Sortiment ab.
Auch im 366. Jahr ihres Bestehens hat die Firma Neuhofer Holz noch Großes vor: Ein acht Millionen Euro schweres Investitionspaket wurde von 2013 bis Mai 2015 auf den Weg gebracht. Geschaffen wurden damit modernste Anlagen im Bereich der Hobel- und Ummantelungstechnik sowie Verpackungsroboter und Anlagenverkettungen installiert. Die viel beschworene Industrie 4.0, also das effiziente Interagieren der Maschinen untereinander, ist in Zell am Moos bereits angekommen. Das betrifft derzeit vor allem Leitrechner, die mit den Maschinen kommunizieren. 

Das neue Standortkonzept, an dem das Unternehmen in den kommenden Jahren weiter arbeitet, macht es möglich, den Warenfluss von der Anlieferung der Rohware bis zur Auslieferung des Endproduktes so effizient wie möglich zu gestalten. Die bereits begonnene Erweiterung des Firmenareals wird fortgesetzt. Vision 2020 heißt das aktuelle Zukunftsprojekt: Am Standort Zell am Moos entstehen ein neues Bürogebäude inklusive großzügigem Showroom sowie neue Produktionsflächen. In der zweiten Ausbaustufe kommt eine erweiterte Logistikabteilung hinzu. Baubeginn des zweistöckigen Objekts ist voraussichtlich 2018. Und noch ein weiteres großes Ziel hat das familiengeführte Unternehmen: den US-Markt erobern...

Alexander Radziwill

Seniorchef Franz Neuhofer sen. ist nach wie vor jeden Tag im Unternehmen aktiv. Seine Tochter Caroline Schön, gebürtige Neuhofer, ist zuständig für Public Relations & Marketing.

 

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