Peter Jansen

Ausgabe: 
07-08/2018
"Ich übernehme einen gut aufgestellten Verband"
Wohin steuert die Lack- und Farbenindustrie? Der neue VdL-Präsident im Gespräch

Peter Jansen ist neuer Präsident des Verbandes der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL). Der Geschäftsführer der Farbenfabrik P.A. Jansen GmbH mit Sitz in Ahrweiler ist auf der Mitgliederversammlung des Verbands in Dresden Mitte Mai zum Nachfolger von Klaus Meffert gewählt worden. eurodecor-Redakteur Alexander Radziwill sprach mit dem neuen VdL-Präsidenten.

Herr Jansen, Sie sind seit kurzem neuer Präsident des Verbandes der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie. Als Geschäftsführer der Farbenfabrik P.A. Jansen sind Sie seit vielen Jahren als Persönlichkeit in der Branche gut bekannt und haben – zumal als Familienvater, der Sie auch sind – sicher gut zu tun. Warum packen Sie sich diese Aufgabe beim VdL jetzt noch obendrauf?
Ich bin seit über dreißig Jahren bei der Firma Jansen. Wenn ich mich und das Unternehmen weiter entwickeln möchte, brauche ich Anregungen von außen. Zeitschriften alleine reichen nicht aus, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Die Verbandsarbeit hat den Vorteil, frühzeitig Informationen über aktuelle Themen zu bekommen und eigene Themen voranzutreiben. Im Verband besteht außerdem die Möglichkeit, sich zu vernetzen. Viele Kollegen stehen alltäglich vor den gleichen Herausforderungen wie ich. Im persönlichen Gespräch können wir voneinander lernen. Mein ehrenamtliches Engagement hat mir schon immer geholfen, über den Tellerrand hinauszuschauen. Außerdem gebe ich drei Ehrenämter auf, um einen zeitlichen Ausgleich zu schaffen.

Ihr Vorgänger Klaus Meffert von den Meffert AG Farbwerken stand nach zwei Amtszeiten als Präsident und 24 Jahren Engagement im Verband nicht mehr zur Verfügung. Sie treten in die Fußstapfen einer erfolgreichen Persönlichkeit. Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger?
Ich übernehme von meinem Vorgänger einen gut organisierten und gut aufgestellten Verband. Die Mitglieder des VdL haben im vergangenen Jahr eine Verbandsstrategie mit einer Perspektive bis 2025 verabschiedet. An diese Strategie bin ich gebunden und werde sie weiterhin verfolgen. Ziele sind, den gesellschaftlichen Nutzen und damit die Bedeutung des Verbandes in der Öffentlichkeit angemessen darzustellen, aber auch in der Politik unseren Interessen Gehör zu verschaffen. Darüber hinaus haben unsere Mitglieder ein berechtigtes Interesse, frühzeitig über neueste Entwicklungen im Bereich der technischen Gesetzgebung informiert zu werden. Gerade kleinere und mittelständische Unternehmen sind auf diese Leistung des Verbandes angewiesen.

Die zurückliegenden Diskussionen um die Gesundheitsgefahren von Titandioxid und um steigende Preise für Rohstoffe scheinen dem Verband nicht geschadet zu haben. Er hat aktuell 185 ordentliche Mitglieder und gilt als finanziell gesund. Wo liegen für den VdL die Herausforderungen der Zukunft?
Wir haben einige Themen auf der Agenda. Neben Titandioxid beschäftigt uns der Einsatz von Konservierungsmitteln in Farben. Es kann doch nicht sein, dass sich die Anwender bei der Verwendung von Kosmetika und Reinigungsmitteln sensibilisieren und die Farbenindustrie an den Pranger gestellt wird. Biozide haben auch eine gesundheitsschützende Wirkung, denn niemand will  Schimmel an der Wand haben. Wir brauchen diese Konservierungsmittel, wenn wir weiter auf Lösemittel verzichten sollen und fordern Auflagen mit Augenmaß. Darüber hinaus gibt es aktuelle Themen zur Druckfarbenverordnung im Zusammenhang mit Lebensmittelbedarfsgegenständen, zum Gewässerschutz bei der Lagerung, Produktion und Verarbeitung von Farben und Lacken oder zur sauberen Luft in Innenräumen, um nur die wichtigsten zu nennen.

Viele Gewerke haben mit fehlenden Auszubildenden und Nachwuchssorgen zu kämpfen, so auch die Maler und Lackierer. Was lässt sich dem entgegensetzen?
Der Beruf des Malers und Lackierers ist sehr vielschichtig und deutlich anspruchsvoller als es von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Der Maler muss gestalten, beraten, Untergründe beurteilen, Anstricharbeiten ausführen und ist auch betriebswirtschaftlich gefordert. Ich habe den Eindruck, dass die Vielfalt dieses Ausbildungsberufes viel zu wenig bekannt ist. Es ist unserer Fachgruppe Bautenanstrichmittel ein Anliegen, den Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unterstützen. Im kommenden Jahr werden wir die Farbenbranche beispielsweise auf der Ideenexpo in Hannover präsentieren. Das ist eine Messe, die über 360.000 Menschen anzieht. Hier haben wir die Möglichkeit, das Thema Farben und Lacke den Ausbildungssuchenden nahe zu bringen. Außerdem stehen wir im engen Kontakt mit dem Bundesverband Farbe.

"Wir kommen nur weiter, wenn wir alte Denkmuster überwinden."

Im kommenden Jahr wird die FAF Farbe, Ausbau & Fassade wieder ein Anlaufpunkt der Branche sein. Warum sollten Profis sich im März 2019 zur Messe nach Köln aufmachen?
Die Farben- und Lackhersteller investieren hohe Summen, um sich auf der Leistungsschau unserer Branche zu präsentieren. Im Vorfeld werden neue Anstrichmittel zur Markteinführung auf der FAF entwickelt. Für mich ist die FAF eine gute Gelegenheit, sich über den Markt, Produkte und innovative Techniken zu informieren.

„Denk bunt“, heißt es auf der Homepage von Jansen. Dort fordern Sie dazu auf, „aus bestehenden Denkmustern und Routinen ausbrechen und das Bewährte zu hinterfragen. Zuhören, Beobachten und Ausprobieren“. Wie setzen Sie diese Philosophie konkret im Alltag in Ihrem Unternehmen um?
Denk bunt ist ein Anspruch, der zu allererst an die eigenen Mitarbeiter gerichtet ist. Wir kommen nur weiter, wenn wir alte Denkmuster überwinden und über unseren Tellerrand blicken. Ich möchte, dass wir uns für die Fragen unserer Kunden und Anwender noch mehr öffnen und gemeinsam lernen, um zu besseren Lösungen zu kommen. So entstehen neue innovative Lösungen. Wir freuen uns, wenn unsere Partner im Großhandel und die Maler diesen Weg mitgehen. So gibt es inzwischen einen bundesweiten Expertenkreis aus Malern, die unsere neuen Entwicklungen unterstützen, indem sie unsere Produkte vor der Einführung testen und uns wertvolle Hinweise zur Optimierung geben.

Die Farbenfabrik P.A. Jansen GmbH feiert in diesem Jahr das 140-jährige Bestehen. Wie feiern Sie? Ist dafür bei Ihnen etwas Besonderes in Planung?
Auf der einen Seite sind wir stolz auf die lange Tradition unseres Familienunternehmens. Wir haben uns aber vorgenommen, eher in die Zukunft zu blicken. Daher planen wir eine kleinere Feier im nachbarschaftlichen Umfeld, in der wir unseren Jahrestag aber nicht besonders herausstellen werden, sondern unsere neuesten Produkte und Anwendungen zeigen.

Alexander Radziwill

„Der Beruf des Malers und Lackierers ist sehr vielschichtig und deutlich anspruchsvoller als es von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird“, sagt der neue VdL-Präsident Peter Jansen. (Foto: Jansen)

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