Relius Farbenwerke

Ausgabe: 
09/2016
Vom Nischenhändler zum Produzenten
Unter der Regie von Prosol hat sich das Unternehmen komplett neu aufgestellt

Relius gilt als einer der europaweit führenden Hersteller von Baufarben und Industriebeschichtungen. Die 2012 gegründete Relius Farbenwerke GmbH mit Werk in Memmingen ist eine eigenständige Einheit innerhalb der Prosol-Gruppe, einem Großhandelsunternehmen. Als Hersteller im Premiumsegment bietet die Marke Relius hochwertige Lacke und Farben. Im Mittelpunkt der Aktivitäten stehen Flexibilität, umfangreicher Service und die Bedienung der Ansprüche von Profis. 

Wer die Aktivitäten in der Branche verfolgt, erinnert sich vielleicht: 2012 hat die BASF AG das Bautenanstrichmittelgeschäft der Relius Coatings GmbH & Co. KG an die Prosol-Gruppe verkauft. Das inhabergeführte Großhandelsunternehmen wurde somit quasi über Nacht zum Hersteller – ein eher ungewöhnlicher Schritt. Der Kauf umfasste den Produktions-standort Memmingen sowie die damals rund dreißig Vertriebsstützpunkte. 
„Vor dreieinhalb Jahren haben Dieter Prosch, der Inhaber der Prosol Lacke + Farben GmbH, und ich Relius übernommen. Davor hatten eher Hersteller einen Vertriebskanal gekauft. Wir haben für uns damals entschieden, es umgekehrt zu machen. Prosol hatte seinerzeit fast 600 Mitarbeiter und vierzig Standorte. Wir waren nicht mehr klein, sondern groß, aber noch nicht groß genug. Und wir standen vor der Entscheidung: Gehen wir den Schritt, um auf die gesamte Wertschöpfungskette Einfluss zu nehmen?“, erinnert sich Carsten Wildauer, einer der drei Geschäftsführer der Relius Farbenwerke GmbH.
Prosol ist als Nischengroßhändler groß geworden, erst mit Autolacken, dann mit Holz-lacken – „in beiden Bereichen zählen wir bis heute zu den führenden Unternehmen der Branche“, erklärt Wildauer. Das Unterneh­men begann 1949 als Farbenfachgeschäft in Aschaffenburg und wurde Mitte der siebziger Jahre vom heutigen Inhaber übernommen. Die Firmengruppe verfügt inzwischen über ein dichtes Vertriebsnetz mit mehr als vierzig Niederlassungen in Deutschland und Österreich.

2008 war die Malersparte bereits die umsatzstärkste im Unternehmen, 2009 machte sie so viel Umsatz wie die Sparten Holz- und Autolack zusammen, und zwar ohne dass der Umsatz dort geschrumpft wäre. Wesentlich zum Erfolg von Prosol habe beigetragen, dass die Standorte immer regional geführt worden seien mit verschiedenen Sortimentszusammensetzungen, um die Bedürfnisse der Kunden individuell zu befriedigen, sagt Carsten Wildauer: „Wir haben die Lieferanten immer so gewählt, dass sie bereits marktgängig vor Ort waren. Damals war schon mehr als die Hälfte des deutschen Marktes für Dispersionsfarben in den Händen der Kofas (Farbenhersteller, die  den Handwerker direkt beliefern – red). Also mussten wir überlegen, wie wir uns im Markt weiter behaupten konnten. Und da kam Relius“, blickt der Geschäftsführer der Farbenwerke zurück. 

"All unsere Produkte müssen Profiqualität haben."

Relius wurde fortan als Premiummarke in den Standorten platziert. Mit dem Kauf war eine Aufspaltung verbunden: Zum einen das produzierende Werk, die Relius Farbenwerke, zum anderen die Standorte, die nun als Handelsorganisationen unter der Flagge des Komplettanbieters Prosol geführt wurden. Die Relius-Verwaltung sitzt in Aschaffenburg, die Produktion, die Entwicklung, das Produktmanagement und der Verkaufsinnendienst sind in Memmingen konzentriert. 

Die Geschichte von Relius reicht bis 1883 zurück, als Ludwig Büsing und Friedrich Fasch die Firma Büfa gründeten. Diese ging 1992 in Relius Coatings auf und wurde 2012, nach der Übernahme durch Prosol also, in einen Produktionsbetrieb, die heutige Farbenwerke GmbH, und in eine Vertriebsgesellschaft, die Relius Lacke + Farben GmbH, überführt. Auf der Messe Farbe, Ausbau & Fassade im März in München haben sich Relius und die Mutter Prosol erstmals gemeinsam präsentiert. Wer den Stand besuchte, konnte einerseits Eigenentwicklungen wie die Fassadefarbe Relinova Bio Clean entdecken, die über einen mineralischen Filmschutz gegen Algen und Pilze mit Langzeitwirkung verfügt. Auf „den Einsatz herkömmlicher Biozide“, wie das Unternehmen mitteilt, könne so verzichtet werden. Tageslicht sorge für eine photooxidative Reaktion, so dass sich die Wirkung des Filmschutzes nicht abbaue. Der Einsatz ist auch auf wärmegedämmten Fassaden möglich. Anderseits zeigte Relius in München Neuheiten wie zum Beispiel die Entwicklung des spanischen Marktpartners Graphenstone. Die ökologisch nachhaltigen Produkte auf Kalkbasis zeichneten sich durch besondere Haftung, Elastizität, Abrieb- und Wasserbeständigkeit aus, heißt es von Relius dazu.

Carsten Wildauer ist sowohl von den Produkten der Partner wie auch von den Eigenentwicklungen begeistert: „Wir haben hier im Haus einen Entwickler, der nicht im Tagesgeschäft tätig ist. Er schaut stattdessen freigeistig nach draußen. Seine Fragestellung lautet: Was sind die aktuellen Entwicklungen in der Forschung? Wo sind Ansätze, Mittel und Wege, das in Produkte umzusetzen? Bioclean ist so entstanden. Bereits vor Jahren gab es Versuche, die weiterentwickelt wurden. Das Interesse an Bioclean auf der Messe Farbe war sehr groß, bei Verarbeitern und bei den Ausschreibern. Der photokatalytische Effekt frischt sich immer wieder auf, so lange der Anstrich intakt ist und dort UV-Licht hinkommt.“ Es sei ein großer Vorteil, Produzent, aber auch Händler zu sein, sagt Wildauer: „Wir können viel selbst, aber wir schauen auch immer, was es draußen gibt, wie eben die Kalkfarbe aus Spanien. Wir fördern solche Technologien wie die des Kalk-Sortiments Graphenstone. Bei Ausschreibern kam das gut an, aber der Maler ist bekanntlich sehr konservativ und Rohstoffe wie Kalk und Graphen sind teuer. Wir brauchen aber die Verzweigung des Handwerkers zum Endkunden und wollen den Verarbeiter nicht überspringen, darum leisten wir diese Überzeugungsarbeit.“

Zu Produkten wie dem Kreativ-Sortiment Casa Italia, das komplett in Italien produziert wird, bietet Relius Farbtonkarten mit Echtmustern an, „denn der Kunde braucht Optik und Haptik“, sagt Georg Bischof, zu dessen Aufgaben Produktmanagement und Marketing gehören. Bischof: „Gerade bei Betonoptiken haben wir eine große Nachfrage. Oft kann man zum Beispiel aus Gewichtsgründen keinen echten Beton einsetzen – denken Sie zum Beispiel an Schiffsausbau. Oder: Eine Wand ist Beton, die andere soll die gleiche Optik haben. Auch die Industrieoptik ist derzeit sehr gefragt.“ Während Viola, das in vielen Farben geschminkte Gesicht der Marke, bereits seit 15 Jahren die corporate idendity von Relius prägt, wurden die Produktsortimente Bautenlacke und Holzschutz zur Messe Farbe neu strukturiert. Die visuelle Darstellung ist nun einheitlich, ansprechender und auch leichter verständlich. Carsten Wildauer: „Wir stellen Profiprodukte her und haben ein angehängtes Fachhandelskonzept. Unsere Produkte wird es im Baumarkt nicht geben, auch nicht unter anderer Flagge. Wir kommen vom Profi und alle Produkte müssen für Profis geeignet sein und Profiqualität haben. Das ist und bleibt unser Kern.“

Alexander Radziwill

Carsten Wildauer (links) und Georg Bischof, Produktmanagement und Marketing. Fachhandelsgerechte Produktsortimente, maßgeschneiderte Serviceleistungen und eine individuelle Betreuung durch Fachhandels-Spezialisten bilden bei Relius die Basis für die Partnerschaft mit dem Farben-Fachhandel.

 

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