Somfy

Ausgabe: 
06/2019
Vom Rohrmotor zum Smartphone
Somfy wird fünfzig Jahre alt - in Deutschland sitzt die größte Tochtergesellschaft
Fünfzig Jahre wird in diesem Jahr das Unternehmen Somfy alt. Der weltweit agierende Hersteller für ­Antriebe und Steuerungen für Rollläden, ­Sonnenschutz und Tore hat heu­te 8.900 Mitarbeiter, 320 davon sitzen in Deutschland ­in Rottenburg am Neckar – dort hat die größte Tochtergesellschaft von Somfy ihren Firmensitz.
„Société d´Outillage et de Mécanique de Faucigny“: Mit diesem doch eher sperrigen Namen beginnt 1969 im französischen Cluses  die Erfolgsgeschichte von Somfy. Die „Ge­sellschaft für die Herstellung von mechanischen Produkten und Werkzeugen mit Sitz in der Region Faucigny“ wird kurz Somfy genannt und produziert seinerzeit den ersten elektrischen Rohrmotor. Dieser leitet das Ende der Handkurbel ein und lässt elektrische Rollläden, Markisen,  Senkrechtmarkisen und Jalousien aufkommen. 1998 macht das Unternehmen dann einen Riesenschritt in Richtung Zukunft: Es setzt als erstes auf Funktechnologie. „Das war für viele ein verrückter Schritt, denn Kabel war etabliert und anerkannt. Warum, sagten viele, muss man jetzt mit so etwas Neuem daherkommen“, erzählt Dirk Geigis, Kommunikation Somfy, bei unserem Besuch am Firmenstandort in Rottenburg. „Doch der Erfolg gab Somfy recht. Innerhalb weniger Jahre konnte man den Umsatz massiv erhöhen.“
Zum Erfolg trug sicher auch bei, dass man mit einem einzigen Handsender mehrere Produkte steuern konnte – damals revolutionär! Geschickt setzt Somfy zudem früh auf Fernsehwerbung. 1989 geht das Unternehmen erstmals in Frankreich auf Sendung, seit 2005 sind die Kampagnen international ausgerichtet. „Somfy entwickelte sich immer mehr von einer Profis vorbehaltenen Marke zu einer Endverbrauchermarke“, so Geigis.
Bereits im Jahr 2001 beginnt man unter der Marke Somfy auch Garagen- und Hoftore zu motorisieren. Zudem wird die Firma Domis übernommen, die Funk-Alarmsysteme entwickelt. Anfang des neuen Jahrtausends sind Somfy-Produkte nicht nur in der Lage, alle Fenster und Türen zu steuern, sondern auch für die heimische Sicherheit zu sorgen. „Damit war die einfache und erschwingliche Funk-Hausautomation geboren“, so Geigis.
2002 wird Somfy International an der Börse notiert, 2007 folgen erste Partnerschaften mit anderen Marken: Somfy unterzeichnet zum Beispiel die erste Hausautomationsallianz mit Velux und führt das Zweiwege-Funkprotokoll io-homecontrol ein. Jetzt können Somfy und Velux-Produkte mit dem gleichen Handsender gesteuert werden und die Rückmeldefunktion stellt sicher, dass alles einwandfrei klappt.
 2010 kommt das Smart-Home-System TaHoma auf den Markt: Mit der internetbasierten Haussteuerung können mittlerweile über 200 kompatible Geräte miteinander kommunizieren und interagieren.
Heute hat das Unternehmen weltweit 8.900 Mitarbeiter und besitzt 125 Niederlassun­gen in 58 Ländern. In der Business Area Central Europe sind die drei wichtigen Märkte Deutschland, Österreich und Schweiz mit mehr als 400 Mitarbeitern zusammengefasst. Somfy Deutschland ist nach Frankreich das weltweit größte Tochterunternehmen. In acht Somfy-Fabriken weltweit können täglich bis zu    70.000 Antriebe hergestellt werden. „Vom ersten Rollladenantrieb an bis zum aktuellen Smart Home hat Somfy in den letzten fünfzig Jahren Millionen von Nutzern auf der ganzen Welt unterstützt und ihnen das Leben erleichtert. 2012 konnten wir bereits den 100-mil­lionsten Antrieb feiern“, so Geigis. 
 

"Funktechnologie? 1998 dachten viele, das sei verrückt."

Nach wie vor macht Somfy nach Angaben von Geigis den Löwenanteil seines Umsatzes mit Antrieben. „Aber die Smarthome-Lösungen werden immer stärker und sie werden ­die Zukunft klar mitbestimmen“, ist er sich sicher. Seit letztem Jahr hat Somfy auch wieder verstärkt den Bereich innenliegenden Sonnenschutz im Blick und hat die neuen Antriebe Somfy Roll Up und Somfy Sonesse für alle Behangarten und Fenstergrößen auf den Markt gebracht. Dank der integrierten Akkus könne bei der Installation auf das mühsame und kostspielige Fräsen von Steuerleitungskanälen verzichtet werden. Auch die oberen und unteren Endlagen seien mittels Funkhandsender im Nu eingestellt. „Individuelle Lamellenwendungen lassen sich über den Funkhandsender Somfy Modulis RTS mit patentiertem Scrollrad ganz nach Wunsch justieren. Auch eine persönliche Lieblingsposition ist speicher­bar. Lange Akkulaufzeiten runden den hohen Bedienkomfort ab“, führt Geigis aus. Bei zwei Fahrzyklen pro Tag müsse der Akku nur einmal im Jahr aufgeladen werden. „Bei einer Einbindung von Somfy Roll Up und Somfy Sonesse in die Smart Home-Komplettsteuerung Somfy TaHoma Premium passen sich die Behänge mittels Sonnen- und Temperatursensoren automatisch an die jeweiligen Witterungsverhältnisse an. So werden die Wohnräume beispielsweise bei starker Sonneneinstrahlung auch dann beschattet, wenn niemand zu Hause ist“, so Geigis. Und was steht im Jubiläumsjahr ganz oben auf der Agenda? „Der innenliegende Son­nenschutz spielt eine zentrale Rolle. Wir ­wollen die Produktreihen Somfy Sonesse und Somfy Roll up sukzessive ausbauen und ­generell die Funkrate weiter steigern“, sagt ­Geigis.

Birgit Jünger

Dirk Geigis, Kommunikation Somfy, sieht in Smarthome-Lösungen die Zukunft (Foto: Jünger).

 

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