Tilo

Ausgabe: 
06/2018
Boden, Leiste und Treppe aus einem Guss
Das Unternehmen mit Sitz in Lohnsburg nahe Salzburg setzt auf Ganzheitlichkeit

Zuletzt hat sich die Tilo GmbH im großen Stil auf der Bau im Januar 2017 in München präsentiert: mit betont emotionalen Bildern statt technischer Details, mit einem neuen Markenauftritt und dem Claim „Tilo macht den Boden“. Das Familienunternehmen aus Österreich hat einen ganz eigenen Ansatz und auch ein ganz eigenes Produktspektrum, mit dem es sich am Markt vom Wettbewerb abhebt.

Der helle, aufgeräumte und klar gegliederte Stand auf der Bau zeigte ein umfassendes Produktangebot mit 21 Kollektionen und mehr als 220 Dekoren – und das kam an: Wer einen Verantwortlichen sprechen wollte, musste sein Glück mehrfach versuchen, so dicht drängten sich Besucher an manchen Tagen. Mit verantwortlich für den gelungenen Auftritt waren damals Thomas Berner, Abteilungsleiter Kommunikation, und sein Team. „Die Bau ist für uns die Leitmesse. Unsere gesamte Planung ist darauf abgestimmt und wir denken in Zwei Jahres-Rhythmen. 2019 wird es natürlich wieder Umstellungen im Sortiment geben, wobei das generelle Prinzip gleich bleibt und die Bestseller wieder mit dabei sein werden, aber auch verschiedene neue Themen, an denen wir gerade arbeiten“, sagt Berner.
Das Prinzip, von dem Berner spricht: Das Unternehmen bietet Boden, Leisten und Treppen „aus einem Guss“, also auf Wunsch aus dem identischen Material gefertigt, in identischer Optik an. Das Spektrum an Leisten (massiv, furniert oder foliert), das Treppenspek-trum (Stufenkantenprofile sowie vorgefertigte Elemente, die bei Tilo TSK, also Treppenstufen Kompakt heißen) und die Bodenbeläge sind vollständig aufeinander abgestimmt.

Das Bodenspektrum der Tilo GmbH ist in die Segmente Parkett (zehn Kollektionen in zahlreichen Holzarten, Sortierungen, Verlegemustern und Formaten), Design (acht Kollektionen Vinylbodenbeläge mit Holz-, Metall- und Steindekoren) und Natur (fünf Kollektionen Furnier-, Kork- und Linoleumbodenbeläge) gegliedert. Laminatbodenbeläge gibt es nicht und gab es auch nie. Warum eigentlich nicht?
„Das war noch nie Thema, auch nicht als ­Zukauf. Lange Zeit war unser Thema Naturböden, da passten auch Kork und Lino mit hinein. Laminat war aus unserer Sicht immer ein Massenprodukt, aber wir sind kein Massenhersteller, darum hatten wir es nie“, sagt der Diplom-Ingenieur Herbert Kendler, seit 2014 der Geschäftsführer des Familienunternehmens Tilo GmbH. Die Bodenbeläge, Treppen und Leisten des Unternehmens werden heute ausschließlich am Standort Lohnsburg in Ober­österreich entwickelt und gefertigt. 
Und das äußerst erfolgreich: Nach einem Rekordjahr 2016 hat der Hersteller im Geschäftsjahr 2017 weiter zugelegt. Umsatz und Ergebnis stiegen, die Eigenkapitalquote wurde auf mehr als 35 Prozent verbessert. In den vergangenen drei Geschäftsjahren konnte das Unternehmen ein Umsatzplus von mehr als zwanzig Prozent verbuchen. Weitere Investitionen in Lohnsburg wurden angekündigt – in den kommenden Jahren soll ein zweistelliger Millionenbetrag in Produktion und Digitalisierung fließen. Auch an Produkten und Service wird weiter gearbeitet. Die Ergebnisse dieser Prozesse sollen im Januar 2019 wieder auf der Bau in München gezeigt werden.

"Videos sind eine Möglichkeit, den Endverbraucher zu erreichen."

Tilo wurde 1950 von Gustav Schrattenecker als Bau- und Möbeltischlerei gegründet. Der Name leitet sich vom damaligen Geschäftszweck und dem Ort der Gründung – dem ­Unternehmenssitz bis heute – ab: Tischlerei Lohnsburg. 1960 begann die Produktion von Sockelleisten, 1969 folgten die damals be­liebten Kassettendecken und Wandverkleidun­gen. 1989 kam der Generationswechsel: Franz Schrattenecker übernahm die Geschäftsleitung von seinem Vater. 1992 kamen die ersten Tilo-Fertigböden auf den Markt: Kork-, Linoleum- und Furnierbodenbeläge, 1995 folgten Landhausdielen und Schiffsböden. Das neue Firmengebäude wurde zum fünfzigjährigen Jubiläum im Jahr 2000 bezogen. Die Treppenproduktion passend zu den Tilo-Böden begann 2009. Vinyl-Fertigböden und Clicksheets wurden 2010 ins Programm aufgenommen. Seit 2015 gibt es bei Tilo die „Raumlösungen aus einem Guss“, also Böden, Treppen und Leisten aus dem jeweils identischen Material. Aktuell setzt die Tilo GmbH jährlich zwei Millionen Quadratmeter Bodenbeläge sowie zwei Millionen Laufmeter Leisten ab. Herbert Kendler: „Unser Ziel ist es, den Wohnraum mit unseren Produkten auszustatten. Wir investieren darin, unsere verschiedenen Welten zu verbinden. Und wir glauben an den Standort Lohnsburg und die Produktion hier. Hier ist österreichisches Herz drin.“ 
Und Know-how: Einzelne Vinylprodukte leiten sich von 3D-Scans von Tilo-Parkettdielen ab, um eine möglichst große Authentizität zu erreichen. Die 2,20 Meter langen Dielen basieren auf eigenem Design, eigenem Werkzeug und eigener Technologie. Tilo geht mit der Zeit, zum Beispiel auch im Bereich social media und dem eigenem Youtube-channel: Seit Jahren produziert der Hersteller Verlege- und Produktvideos. „Die Videos sind inzwischen stärker in Richtung Endkunde gestaltet. Das ist gute Möglichkeit für uns und für den Handel, den Endverbraucher zu erreichen“, sagt Thomas Berner.

Alexander Radziwill

„Die Kompetenz von Holz in die Welt von Vinyl übertragen“: Tilo-Geschäftsführer Herbert Kendler.

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