Trevira

Ausgabe: 
04/2019
Die Produktpalette wird stetig erweitert
Bei Heimtextilien konzentriert sich das Unternehmen auf Spezialitäten

Es gibt nicht viele Marken in der Textilbranche, die auf so eine lange und bewegte Geschichte wie Trevira blicken können. Die heutige Trevira GmbH ist ein Hersteller von hoch­wertigen Markenfasern und -filamentgarnen. Jedes Jahr zur Heimtextil zeigt das Unternehmen, was sich im Bereich der Heimtextilien alles aus Polyesterfasern machen lässt.

Im Januar war Trevira in Halle 4.2 gemeinsam mit 26 Kunden und Partnern präsent. Zusammen mit Garnherstellern, Webern und Textilverlagen konnte so auf dem Messestand die gesamte textile Wertschöpfungskette abgebildet werden. Herzstück des Standes war ein Trendbereich, der speziell auf den Objektmarkt ausgerichtet war. Die Trendaussagen und -inszenierungen wurden von der Trendagentur stilbüro bora.herke.palmisano entwickelt. Eine Jury aus Trendexperten wählte 240 Stoffe von 44 Stofflieferanten und 62 Garne von sieben Garnlieferanten aus, die alle in der Trendausstellung berücksichtigt wurden.
 
Das Trendbook „Trends in Contract by Trevira CS 2019/2020“ zeigte passend zur Trendinstallation vier Stilwelten mit Bezug auf den Objektmarkt. Marketingleiterin Anke Vollen-bröker zieht ein positives Fazit dieser Messepräsenz: „Wir haben vor zwei Jahren beschlossen, aus unserem bis dahin angestammten Platz auf der Heimtextil herauszugehen und uns völlig neu aufzustellen. Zum einen möchten wir unsere Marke Trevira CS in geeigneter Form inszenieren und zum anderen möchten wir unseren Kunden eine attraktive Plattform bieten, ihre Trevira CS Neuheiten zu präsentieren.“ Das Konzept, die Halle 4.2 zu einem modernen Treffpunkt für Entscheider und Unternehmen im Objektbereich zu machen, sei aufgegangen. „Wir fühlen uns dort gut auf­gehoben“, erklärt Anke Vollenbröker.
 
Ungeachtet der weltweit eingetrübten Wachs­tumsperspektiven und deutlicher Kostensteigerungen bei Rohstoffen, Additiven, Energie und Frachten sowie diverser Handelskonflikte hat sich das Geschäft bei Trevira 2018 insgesamt stabilisiert. Der Umsatz lag bei rund 229 Millionen Euro. Erfreulich hat sich dabei vor allem das Geschäft mit Spezialitäten wie den schwer entflammbaren Fasern und Garnen (Trevira CS) sowie den Bikomponentenfasern entwickelt, sagt Anke Vollenbröker. Stabil blieb der Absatz an schwer entflammbaren Fasern; der Verkauf von schwer entflammbaren Filamentgarnen konnte sogar gesteigert werden. „Der Trend geht eher zu glatteren und glänzenderen Designs, was den vermehrten Einsatz von Filamentgarnen begünstigt. Nach wie vor sind die Hauptabnehmer der flammhemmenden Fasern und Filamentgarne die Hersteller in Europa, vor allem Italien und Deutschland“, so die Marketingleiterin. Die Trevira GmbH verfügt über zwei Produktionsstandorte (Guben bei Cottbus und Bobingen bei Augsburg) und eine Vertriebszentrale in Hattersheim nahe Frankfurt am Main. Das Unternehmen beschäftigt in Deutsch­land rund 1.100 Mitarbeiter; hinzu kommt eine internationale Marketing- und Vertriebsorganisation. Eigentümer der Trevira GmbH ist die thailändische Indorama Ventures PCL. Das Unternehmen fußt auf der gleichnamigen Polyesterfasermarke und dem Eintrag „Trevira“ im Warenzeichenregister von 1932. Der damalige Werksleiter der Kunstseidenfabrik Bobingen, Adolf Kämpf, wollte das Warenzeichen vom lateinischen Namen der Stadt Augsburg ableiten – und irrte sich. Er nahm an, bei Augusta Treverorum handele es sich um Augsburg; tatsächlich ist das Trier. Auch als sich der Irrtum geklärt hatte, blieb der Name. 1956 schließlich wurde er als Bezeichnung der neuen Polyesterfaser von Hoechst eingesetzt. Die damals neuen Stapelfasern aus Polyester wurden zunächst unter dem Namen Diolen vermarktet. 1956 kamen erstmals unter der Marke Trevira Endlosfäden, also Filamentgarne, hinzu. Die neuen Fasern wurden unter anderem für Bekleidung, Heimtextilien und technische Anwendungen genutzt. 

"Für unseren Stand haben wir von vielen Seiten lob bekommen."

1980 kam mit Trevira CS eine schwer entflammbare Faser hinzu, die bis heute erfolgreich am Markt ist. „Jeder, der sich mit Texti­lien speziell im Objektbereich beschäftigt, kennt Trevira CS“, sagt Anke Vollenbröker. Gemessen am Gesamtumsatz des Unternehmens entfallen knapp zwanzig Prozent auf den Bereich der Fasern und Garne für den Einsatzbereich der Heimtextilien. „Der größte Teil unseres Produktportfolios entfällt auf Speziali­täten“, so die Marketingleiterin.

Zur Heimtextil 2019 präsentierte Trevira im Trevira Lab „Product Developments by T­revira + Partners“. Ein wichtiger Entwicklungsschwerpunkt lag dabei auf dem Thema Recy­cling und Nachhaltigkeit. Gezeigt wurden schwer entflammbare Filamentgarne, die auf recycelten PET-Flaschen basieren. Trevira kann dabei auf einen besonders hochwertigen Rohstoff zurückgreifen, der von der Muttergesellschaft Indorama Ventures bezogen wird. Indorama recycelt PET-Flaschen und stellt daraus Regranulat für die Polyesterherstellung her. Da in Thailand nur transparente PET-Flaschen verwendet werden, weisen die Bottleflakes und die daraus gewonnenen Chips eine besonders gute, sehr einheitliche Qualität auf. Unter Zusatz eines flammhemmenden Additivs, das fest in der Faser beziehungsweise im Filament verankert ist, verarbeitet Trevira die Chips zu schwer entflammbaren Filamentgarnen, die zu hundert Prozent aus recyceltem Material bestehen.

Auf der Heimtextil im Januar hat Trevira einen von Schmitz Textiles GmbH + Co. KG gewebten Stückfärber gezeigt, der zu hundert Prozent aus schwer entflammbaren Trevira ­Filamentgarnen aus recyceltem Material besteht. Schwer entflammbare, recycelte Trevira Fasern befinden sich derzeit in der Entwicklungsphase. Ein weiteres Thema in Frankfurt war der Einsatz von Trevira CS Stoffen im Outdoor-Bereich. Dieses Thema spielt vor allem in den Segmenten Hotel & Gastronomie und Schifffahrt eine Rolle, wo es darum geht, Stoffe je nach Bedarf sowohl im Innen- als auch im Außenbereich einzusetzen. Um für diesen Bereich leistungsfähige, designstarke Textilien herstellen zu können, bietet Trevira eine neue Palette von 22 UV-stabilen, spinngefärbten Filamentgarnen an, die sich durch hohe Farbtiefe und gute Beständigkeit auszeichnen.

Trevira arbeitet kontinuierlich daran, seine Produktpalette an schwer entflammbaren Garnen im Hinblick auf Zusatzfunktionen und Designmöglichkeiten zu erweitern. Neben dem Produkt spielt der Service eine große Rolle, der fester Bestandteil des Markenkonzeptes Trevira CS ist. Auch hier ist das Ziel, immer wieder geeignete Maßnahmen zu entwickeln, um Kunden und Partner bei ihren Vermarktungsaktivitäten zu unterstützen. Was können Besucher der Heimtextil 2020 von Trevira erwarten? Anke Vollenbröker: „Für unseren Stand haben wir von vielen Seiten Lob bekommen. 2020 wollen wir erneut unterschiedliche Kundengruppen präsentieren und damit die Vielfalt der Trevira CS Neuheiten zu präsentieren. Darüber hinaus planen wir wieder eine Sonderschau, die Relevanz für die Branche hat und mit der wir insbesondere
die Entscheider im Objektbereich ansprechen möchten.“

Alexander Radziwill

Marketingleiterin Anke Vollenbröker am Standort Hattersheim. Die rund vierzig Mitarbeiter dort sind für Marketing & Vertrieb zuständig. Von Hattersheim aus wird der Service für die Kunden und Partner weltweit gesteuert.

 

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